Warum Sebastian Turner nicht zu den Piraten passt

Freitag, 20. April 2012
Sebastian Turner will auch für die Piraten antreten
Sebastian Turner will auch für die Piraten antreten

Jetzt also auch noch die Piratenpartei. Nachdem sich Ex-Werber Sebastian Turner, der als Kandidat der CDU bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart antritt, bereits die Unterstützung von FDP und Freien Wählern gesichert hat, umgarnt er nun auch die politischen Aufsteiger der Stunde. Der parteilose Bewerber will bei einer Konferenz am 22. April, bei der die Piratenpartei über ihren Kandidaten entscheidet, um Unterstützung für seine Kandidatur werben. Auf einer eigenen Microsite der Stuttgarter Piraten ist der 45-Jährige schon eifrig dabei, sich den Fragen der Mitglieder und Sympathisanten zu stellen. Auch einen Fragebogen, in dem er Position zu wichtigen Anliegen der Piraten beziehen soll, hat er ausführlich beantwortet. Dort schreibt er unter anderem: "Den Ruf nach Freiheit, das Recht auf Freiheit teile ich voll und ganz. Auch die Forderungen nach Informationsfreiheit und Informationsselbstbestimmung, nach Transparenz und Teilhabe teile ich."

Gleichzeitig macht Turner aber auch die Grenzen beziehungsweise Unterschiede zu den Piraten deutlich, unter anderem beim Thema Urheberrechte. "Freischaffenden Autoren beziehungsweise Medienunternehmen darf nicht die Lebengrundlage entzogen werden durch die Enteignung der Nutzungsrechte. Dies würde am Ende zu einer wenig attraktiven Sponsoring-Kultur führen. Im Bereich der Zeitschriften ist dieser Effekt inzwischen erkennbar als Blüte des Corporate Publishing und Schwächung von unabhängigen, anspruchsvollen Medien", so Turner weiter.

Nicht so recht zu den Annäherungsversuchen an die Transparenzfanatiker will zudem passen, dass vor kurzem extra ein Verein gegründet wurde, der die Kandidatur von Turner unterstützt. Dahinter stehen unter anderem die ihn bislang tragenden Parteien. Der Verein erfüllt nach einem Bericht der "Taz" nicht zuletzt die Funktion, Spendengelder einzusammeln. Anders als bei Parteispenden müssen diese aber nicht offengelegt werden - nicht gerade ein Ausweis großer Transparenz.

Auch in der Vergangenheit hat sich Turner nicht immer einen Namen als Verfechter von Transparenz im Sinne der Piraten gemacht. Er gilt als jemand, der sich ausgesprochen gut darauf versteht, hinter den Kulissen zu agieren und an den richtigen Fäden zu ziehen. Im Geschäftsleben hatte er sogar einmal richtig Ärger wegen mangelnder Transparenz - allerdings ist das schon mehr als zehn Jahre her.

So sorgte Ende 2000 fuer großen Wirbel, dass sich die Neugründung Nova (später Orange Cross) zweier Führungskräfte der Agentur Scholz & Friends Berlin, deren Co-Chef Turner damals war, um den Werbeetat des Telekommunikationsunternehmes Viag Interkom bemühte. Scholz & Friends arbeitete damals für die Deutsche Telekom und hatte dem Kunden nicht mitgeteilt, dass Nova einen Wettbewerber des Bonner Konzerns betreuen wollte. Als die Sache aufflog, kam es zum Bruch: Die Telekom kündigte der Agentur fristlos. Für Turner gab es eine öffentliche Rüge durch den damaligen Agenturchef Peter M. Schöning, die dieser später aber wieder zurücknahm. Heute räumt Turner ein, dass die Dinge seinerzeit nicht ideal gelaufen seien: "Man kann aus allem etwas lernen. Das war ein guter Anlass." Das gilt sicher auch für seinen Auftritt bei den Piraten. In zwei Tagen wissen wir mehr. mam 

 Kommentar von Sebastian Turner 

Lieber Herr Amirkhizi, vielen Dank für Ihren Artikel. Gerne stelle ich den Sachverhalt klar. 
Zum Verein in Stuttgart: Der Verein ist gegründet worden, damit die tragenden Parteien und die diversen Bürgerinitiativen, die sich bilden wollen, in einer gemeinsamen Organisation die Kräfte bündeln können. Der Verein "Bürger-OB" ist nicht gemeinnützig. Deswegen werden die meisten Spender nicht an den Verein, sondern an eine der tragenden Parteien spenden. Das heisst: Es ist davon auszugehen, dass die meisten eingehenden Zuwendungen den Veröffentlichungsregeln für Parteien unterliegen. Für direkte Geldzuwendungen an den Verein, die nicht den Regeln für Parteifinanzen unterliegen, soll aber keine Lücke entstehen. Ich werde dem Vorstand des Vereins deshalb vorschlagen, bei allen direkt empfangenen Geldzuwendungen die Veröffentlichungsregelungen des PartG sinngemäß anzuwenden. 
Bezüglich der Agenturfrage hat der damalige CEO der Scholz & Friends Gruppe, Peter Schoening, nach der Prüfung des Sachverhaltes festgestellt, dass ich mich korrekt verhalten habe. Beste Grüsse, Sebastian Turner
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