Warum Reinhold Beckmann seine Talkshow aufgibt

Montag, 27. Mai 2013
Reinhold Beckmann im Studio seiner Talkshow (Foto: NDR/Morris Mac Matzen)
Reinhold Beckmann im Studio seiner Talkshow (Foto: NDR/Morris Mac Matzen)


Seit Monaten diskutieren die Gremien der ARD über die Zukunft der insgesamt fünf Talkshows im Ersten. Klar war: Es sind zu viele. Unklar war bislang, wie der Senderverbund das Problem möglichst gesichtswahrend für alle Beteiligten löst. Mit Reinhold Beckmann hat nun der wohl erste Kandidat auf der Streichliste von sich aus seinen Rückzug bekannt gegeben.
"Ich bin der Debatten über Sinn oder Unsinn der politischen Talkshows in der ARD einfach müde. Das endlose Gequatsche über zu viel Gequatsche", begründet Beckmann seine Entscheidung im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Deshalb habe er vor drei Wochen NDR-Intendant Lutz Marmor und den Programmdirektor über sein Entscheidung informiert. "Die beiden waren zuerst etwas erschrocken, aber dann auch entspannt. Ich hatte den Eindruck, ich löse ihnen ein ARD-internes Gerangel um zu viel Talk im Ersten."

Mit seinem Vorstoß kam Beckmann wahrscheinlich aber auch der Absetzung seiner Sendung zuvor. Die Talkshow galt bereits seit geraumer Zeit als größter Wackelkandidat der insgesamt fünf Gesprächsrunden im Ersten. "Beckmann" war nach der Verpflichtung von Günther Jauch durch die ARD der größte Verlierer der großen Rochade der Talksshows im Herbst 2011: Er musste seinen bewährten Sendeplatz am Montag räumen und seitdem am Donnerstag gegen die etablierten ZDF-Talkshows "Maybritt Illner" und "Markus Lanz" antreten. Die Folge: "Beckmann", der auf seinem angestammten Sendeplatz am Montag über zehn Jahre lang sehr gute Einschaltquoten erzielt hatte, musste sich plötzlich mit den schlechtesten Zuschauerzahlen aller ARD-Talkshows abfinden. Auch in Umfragen schnitt "Beckmann" zunehmend schlechter ab.

Dazu kommt, dass der NDR mit drei Talkshows die meisten ARD-Gesprächsrunden produziert. "Ich will nicht Gegenstand eines senderpolitischen Ablass- oder Kuhhandels werden, wo keiner weiß, was am Ende rauskommt. Ich habe nur den Verdacht, da zählt nicht unbedingt die redaktionelle Qualität, sondern welcher Sender wie viele Talkshows im Ersten hat", so Beckmann. "Das ist ein Abzählreim. Da wollte ich nicht mitverrechnet werden."

Der Vertrag zwischen dem NDR und Beckmann läuft noch bis Ende 2014. Doch auch danach wird der Moderator nicht beschäftigungslos sein: Er moderiert auch weiterhin die "Sportschau" und produziert mit seiner Produktionsfirma Beckground die neue Satire-Show "Frühstücksfernsehen" von Olli Dittrich, "Inas Nacht" und verschiedene Sondersendungen zum 50-jährigen Jubiläum der Fußball-Bundesliga. Außerdem wird Beckground zwei neue Sendungen für Das Erste und den NDR produzieren. dh
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