Warum N24 Pro Sieben Sat 1 belastet

Donnerstag, 26. November 2009
Konzernchef Ebeling prüft für N24 alle Optionen
Konzernchef Ebeling prüft für N24 alle Optionen

Thomas Ebeling ist niemand, der sich wegduckt. Nachdem der "Spiegel" am Wochenende von Verkaufsplänen für N24 berichtet hatte, stellte sich der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1 am Mittwoch selbst der Senderbelegschaft in Berlin. Mit großer Offenheit soll der seit März amtierende Vorstandschef, der generell selten ein Blatt vor den Mund nimmt und auch unbequemen Fragen nicht ausweicht, den Beschäftigten geantwortet haben. Demnach spielt die Müncher TV-Gruppe für ihren Berliner Nachrichtensender mehrere Szenarien durch. Nach HORIZONT.NET-Informationen müsse aus Ebelings Sicht für N24 die Frage nach dem "Best Owner" gestellt werden. Der Kanal produziert für die gesamte Gruppe die Nachrichten. Diese spielen in den stark auf Unterhaltung ausgerichteten Sendern Pro Sieben, Sat 1 und Kabel Eins jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

Zwar hatte Sat 1 im vergangenen Jahr eine große Nachrichtenoffensive angekündigt. N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann wollte N24-Chefredakteur Peter Limbourg auch zum zentralen Newsgesicht von Sat 1 aufbauen, um ein Gegengewicht zum RTL-Frontmann und dortigem Chefredakteur Peter Kloeppel zu etablieren. Rossmann hatte - in seiner kurzfristigen Doppelfunktion als N24- und Sat1-Geschäftsführer - 2008 eingeräumt, einen langen Atem zu besitzen, um die Nachrichtenkomptenz von Sat 1 zu stärken. Die 20-Uhr-Nachrichten entwickeln sich denn quotenmäßig auch nur langsam nach oben. Ebeling selbst soll gestern eingeräumt haben, dass Sat 1 den Rückstand zu RTL, der über Jahre hinweg in den Aufbau der Nachrichten investiert hat, nur schwerlich verkürzen könne.

Die gesamte Nachrichtenproduktion der Pro Sieben Sat 1 Gruppe, die laut Medienberichten jährlich Kosten von um die 40 Millionen Euro verursachen soll, ist - wie bei nahezu allen Nachrichten - ein Zuschussgeschäft. Da der strategische Wert der Nachrichten für die Münchner jedoch weniger hoch ist, machen die Verkaufsüberlegungen Sinn.

Ebeling soll den Mitarbeitern jedoch versichert haben,  nicht an einen Investor zu verkaufen, der nur daran interessiert sei, die Reichweite zu kaufen. der Käufer müsse schon ein strategisches Interesse haben. Ein Verkauf wäre für Pro Sieben Sat 1 auch im Hinblick auf eine Reduzierung der hohen Schuldenlast von rund 3,5 Milliarden Euro interessant. Angesichts der schwierigen Marktlage, kann der Konzern jedoch nur schwer einen Käufer finden.

Insofern prüft der Vorstand nun auch andere Optionen, wie zum Beispiel den Anteil der Dokumentationen im Programm weiter zu steigern, über die sich N24 mittlerweile fast ebenso stark profiliert, wie über die Nachrichten. Auch könne eine Rumpfredakton erhalten bleiben, die die Nachrichten für die drei Sender produziert. Am unwahrscheinlichsten sei die letzte Variante: N24 spart massiv - und alles bleibt beim alten. Die Entscheidung soll nach derzeitigem Stand erst im Februar oder März fallen. pap
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