Warum Konstantin Neven DuMonts Evidero.de seine Nachhaltigkeit erst noch beweisen muss

Donnerstag, 22. Dezember 2011
Seit Mittwoch online: das Nachrichtenportal von Verlegersohn Konstantin Neven DuMont
Seit Mittwoch online: das Nachrichtenportal von Verlegersohn Konstantin Neven DuMont


Mit guten Vorsätzen fürs neue Jahr ist es bekanntlich ja so eine Sache. Man nimmt sich viel vor, möchte vor allem Gutes tun und Schlechtes lassen. Die Umsetzung ist meist schwieriger. Mit Evidero.de, dem am Mittwoch online gegangenen Nachhaltigkeitsportal von Konstantin Neven DuMont, könnte es sich ähnlich verhalten. Der Anspruch des Kölner Verlegersohnes ist nämlich gewaltig: "Es sollen Wege gefunden werden zu sozialem Frieden, Umweltschutz und einer nachhaltigen Ökonomie", schreibt Neven DuMont in seinem Editorial. Außerdem sollen zukunftsweisende Gedanken, Ideen und Projekte auf der Seite publik gemacht werden, ganz ohne "Greenwashing" und "politische Rücksichtnahme".

Die Homepage

Fast ein wenig unspektakulär ging Evidero.de am Mittwoch online, wenn man an die Vergangenheit von Gründer Konstantin Neven DuMont denkt. Ganz unaufgeregt in dunklem grün und grau gehalten ist die Homepage, aufgeräumt und übersichtlich gegliedert. Die Macher wollen Orientierung in Zeiten der Informationsüberflutung geben, was ihnen auch gelingt. Allerdings ist Evidero.de zwar ein journalistisches Produkt, aber kein reines Nachrichtenportal. Die gesetzten Schwerpunktthemen können deshalb problemlos auf der Startseite inszeniert werden, ohne von tagesaktuellen News in Unruhe versetzt zu werden. Die Entschleunigung des Layouts  erleichtert es dem Leser, den Überblick zu behalten - und passt zum Konzept. Die Frage ist, wie Werbebanner und Anzeigen, die es derzeit noch nicht gibt, künftig in diese Harmonie eingebettet werden können.

Die Themen

Evidero.de startet mit den beiden großen Themen Geld und Essen. Auch die Gegenüberstellung von schwerer und leichter Kost gehört zum Konzept und soll die thematische Bandbreite des Internetportals aufzeigen. So gibt es sowohl einen Text über „Gute Banken, böse Banken" als auch über das „festliche Karpfen Menü", zum Thema  „Überteuerte Bahn - teure Mobilität" genauso wie „Ohne Frühstück im Klassenzimmer". Die Texte sind gut geschrieben, auch wenn die persönliche Meinung oft ein bisschen zu sachlich daher kommt, wenn es etwa im einleitenden Text zu einer Umfrage über Pelze heißt: "Dass Menschen, die Pelze kaufen, Verachtung verdienen, versteht sich von selbst." Dabei sind keine Laien am Werk: Unter den fünf Autoren, die auf der Seite als Mitarbeiter aufgeführt werden, sind unter anderem der Volkswirtschaftler Jürgen zur Heide, der auch im WDR und im Deutschlandfunk moderiert, und der ehemalige „Handelsblatt"-/„SZ"-Wirtschaftskorrespondent Caspar Dohmen.

Im aktuellen Aufmacher „Geld ist nicht alles" liest man dann auch viel Einordnendes, viel erklärenden Hintergrund. Ein guter Ansatz, da die Darstellung komplexer Zusammenhänge in der aktuellen Tagespresse nicht immer in dieser Form stattfinden kann. Wer sich die Zeit nimmt, schaut auch noch das 17-minütige, aufwendig produzierte Videomagazin mit Jasmin Pour, Moderatorin der Internetplattform.

Gemeinsam haben aber alle Reportagen, Hintergrundartikel, Videos und Fotos nicht nur den Informationsgehalt, sondern vor allem eines: die Nachhaltigkeit. Evidero.de gebraucht den Begriff nahezu inflationär, allein auf der Startseite findet man das Wort „nachhaltig" achtmal: „Nachhaltige Ernährung", nachhaltig informativ", „nachhaltig werben". Es bleibt abzuwarten, auf welche Weise sich Unternehmen in dem nach wie vor  interessanten Werbeumfeld des sozialen und ökologischen Engagements positionieren werden.

Die Nachhaltigkeit

Die eigene Nachhaltigkeit von Evidero.de einzuschätzen, ist schwierig. Die Themenvielfalt ist zunächst spannend, definiert letztlich aber auch keine Zielgruppe. Politisch interessierte Leser klicken wohl zunächst auf etabliertere Portale, um seriöse Hintergrundinformationen zu erhalten, Frauen suchen Kochrezepte oder Tipps zu fair produzierter Mode auch eher anderswo. Um sich zu etablieren, muss Evidero.de ein klareres Profil entwickeln, und - auch wenn es gegen die Entschleunigung spricht - auf mehr Lesefreundlichkeit durch kürzere Videoreportagen und kleinere Häppchen setzen. Denn dann bleibt auch noch Zeit für die Zubereitung des festlichen Karpfen-Menüs. kl
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