Warum G+J-Vorstandsfrau Julia Jäkel ein historisches Experiment wagt

Donnerstag, 28. März 2013
Will keine Hefte für die Showbühne machen: Julia Jäkel
Will keine Hefte für die Showbühne machen: Julia Jäkel


Europas einst größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr wagt sich mit einer neuen Strategie notgedrungen an ein Experiment, das alle Medienhäuser mit höchster Aufmerksamkeit verfolgen dürften: Während sich etwa die Bauer Media Group mit (Print-) Zukäufen anschickt, Europas größter Magazinverlag zu werden, Springer massiv in Rubrikportale investiert und Burda auch vor dem viel zitierten Tierfutter-E-Commerce nicht zurückschreckt, geht G+J den harten Weg: Die Hamburger wollen und müssen versuchen, fast nur mit journalistischen B-to-C-Inhalten in der digitalen Welt substanziell Geld zu verdienen.
Im exklusiven HORIZONT-Interview erklärt Julia Jäkel, seit September Deutschland-Vorstand von G+J, die neue Strategie. Auch intern und in Gesellschafterkreisen sehen manche dies als "historisches Experiment", für das es weltweit bisher keine erfolgreiche Blaupause gebe. Hintergrund: Haupteigner Bertelsmann lässt kaum Diversifizierung zu. Bertelsmann-CEO und G+J-Aufsichtsratchef Thomas Rabe hatte die Hamburger wissen lassen, dass sie sich doch bitte auf Publikumsmagazine beschränken mögen. Und da diese in Print bröckeln, müssen es eben die Digitalversionen ausgleichen. Gegenüber HORIZONT.NET spricht Jäkel über einen eigenen "Kochfehler", über ihren Digitalchef Stan Sugarman, über Trading - und über das neue "Capital".

"Wir machen keine Hefte für die Showbühne"

G+J hat sein Digitalgeschäft sukzessive zentralisiert. Den letzten Schnitt haben Sie gesetzt: Kaum waren Sie in den Vorstand aufgerückt, haben Sie etwa das Kochportal Chefkoch.de, das Sie zuvor in Ihrer Gruppe verteidigt hatten, ebenfalls zentralisiert. Ändern sich mit dem Amt die Ansichten?
Julia Jäkel:
Nein. Ich habe erkannt, dass ich damals als zuständige Verlagsgeschäftsführerin Chefkoch.de mehr Raum hätte geben müssen. Das Portal ist schon jetzt fast beängstigend erfolgreich, aber wir wollen hier noch mehr wachsen. Dafür brauchen wir das neue Setting in der Digital-Unit, in der Digital-Profis mit Digital-Profis arbeiten.

Sie haben das gesamte Digitalgeschäft Ihrem Vermarktungschef Stan Sugarman anvertraut. Weil Sie das Digitale stärker mit der Vermarktung verknüpfen wollen?
Nein, das ist nicht der Hintergrund. Im Gegenteil, denn wir setzen im Digitalen ja eben nicht mehr nur auf werbeerlösgetriebene Geschäftsmodelle wie bisher, sondern auch auf Paid-, Service- und Commerce-Modelle, je nach Sinnhaftigkeit. Es war vielmehr eine Entscheidung für Stan Sugarman: Er ist ein international exzellent vernetzter Digital-Vollprofi und ein umsetzungsstarker Manager.

Als Vermarktungschef treibt Sugarman und wohl auch Sie das Thema Trading um. G+J ist 2012 von Agenturen abgestraft worden, weil Sie denen keine stark rabattierten Inventare verkauft haben. Im Januar sagten Sie nun, dass sich G+J einstellen müsse auf das "Bedürfnis nach sehr preisorientierten und wenig beratungsintensiven Produkten". Heißt das, auch G+J steigt jetzt ins Trading ein?
Wir bieten Kunden neben der Buchung mit Platzierungszusagen, Beratung und weiteren Services nun auch Pakete ohne diese Zusatzleistungen an. Wir sehen das aber nicht als Trading, weil diese Angebote nicht nur Agenturen, sondern auch Direktkunden offen stehen.

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Die "FTD" haben Sie eingestellt, "Impulse" und "Börse Online" verkauft - und "Capital" haben Sie erhalten. Als Feigenblatt, dass bei G+J auch Wirtschaftsjournalismus weiter stattfindet? Oder glauben Sie da noch an ein Geschäftsmodell?
Sie können sich auf das neue "Capital" freuen. Ich tue das jedenfalls sehr. Und dann will ich daran erinnern: Wir machen keine Hefte für die Showbühne. Wir machen solche Hefte, von denen wir glauben, dass sie viele Menschen interessieren, ihnen die Augen öffnen, ihnen Neues liefern oder ihnen einfach Spaß machen. Wenn wir das richtig machen, verdienen wir damit Geld. Und das wollen wir auch mit "Capital", was ja nicht so richtig überraschen sollte.
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