Wahlkampf beim „Spiegel“: Wenn Mitarbeiter über den eigenen Sparkurs abstimmen

Freitag, 01. Februar 2013
Beim "Spiegel" werden mal wieder die Chefs der Mitarbeiter KG gewählt
Beim "Spiegel" werden mal wieder die Chefs der Mitarbeiter KG gewählt

Alle drei Jahre wieder: Beim „Spiegel" beginnt die Wahl der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG. Diese ist mit 50,5 Prozent der Hauptgesellschafter des Hamburger Verlags; sie entscheidet also - neben Gruner + Jahr (25,5 Prozent) - maßgeblich über die Verlagsstrategie, den Etat sowie die Posten der Chefredakteure und des Geschäftsführers. Und angesichts der wirtschaftlichen Situation könnte die Wahl mal wieder spannend werden. Seit 1974 gehört die Hälfte des Spiegel-Verlags den Redakteuren, Dokumentaren und Verlagsangestellten. Jeder Mitarbeiter, der drei Jahre beim „Spiegel" arbeitet, kann sich als stiller Gesellschafter an der Mitarbeiter KG beteiligen. Derzeit sind es rund 760 Personen; diese wählen alle drei Jahre eine 5-köpfige ehrenamtliche Geschäftsführung. Dabei entsenden Verlag und Redaktion je zwei Vertreter, die Dokumentation einen.

Auf Seiten der Verlagsangestellten wird es keine Veränderung geben, denn nach Infos von HORIZONT.NET kandidieren (nur) die bisherigen KG-Geschäftsführer erneut: Vertriebschef Thomas Hass und Controller Rainer Buss. Aus der Dokumentation rangeln zwei Kandidaten um den einen Posten: Anne-Sophie Fröhlich und Thomas Riedel. Bei der letzten Wahl 2010 war Jan Kerbusk zum Geschäftsführer gewählt worden; weil er aber im Herbst verlagsintern den Job gewechselt hat und seitdem als Leiter Neue Geschäftsfelder firmiert, hat seine Abteilungskollegin und langjährige KG-Vorgängerin Cordelia Freiwald ihn seitdem vertreten.

Von der Redaktion treten die beiden bekannten Gesichter wieder an: Wirtschaftsressortleiter Armin Mahler (seit 2004 KG-Geschäftsführer) und „Kultur Spiegel"-Chefin Marianne Wellershoff (seit 2007). Es gibt aber einen Gegenkandidaten, nämlich Gunther Latsch aus dem Deutschland-Ressort. Und das könnte interessant werden, denn glaubt man einzelnen Stimmen aus der Redaktion, bewirbt sich Latsch intern als potenzieller KG-Geschäftsführer, der das Quintett nicht nur als Aufsichtsgremium interpretiert, sondern auch bisweilen operativ auf die Arbeit der Verlagsgeschäftsführung um Ove Saffe einwirken wolle.

Dies ist spannend vor dem Hintergrund, dass Saffe, dessen Vertrag die bisherige KG-Spitze erst im Herbst um weitere fünf Jahre verlängert hat, der Spiegel-Gruppe nun einen Sparkurs verordnet - auch beim Personal, und wohl auch in der Redaktion. Allein dieser Gedanke gilt besonders bei alteingesessenen Redakteuren als Sakrileg, mindestens jedoch als Angriff auf die Blattqualität. Dass Latsch nun als dritter Redaktionskandidat gegen Mahler und Wellershoff um die beiden KG-Sitze kämpft, werten manche Redakteure als Opposition gegen den von der bisherigen KG-Spitze gestützten Saffe-Sparkurs. Latsch selber wollte sich auf Anfrage von HORIZONT.NET nicht zu seiner Kandidatur äußern.

Die Briefwahl der KG-Geschäftsführung dauert noch bis zum 19. Februar. rp
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