WDR und Kulturschaffende streiten über Programmreform bei WDR 3

Freitag, 24. Februar 2012
WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz
WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz

In einem offenen Brief haben sich rund 70 Kulturschaffende aus ganz Deutschland gegen die geplante Programmreform beim Kultursender WDR 3 ausgesprochen. WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz hat den Kritikern nun ebenfalls mit einem offenen Brief geantwortet. Darin wirft er den Unterzeichnern unter anderem "eine gewisse Ignoranz" und ein "Kulturradio-Verständnis wie in den 70er-Jahren" vor. Im Januar war bekannt geworden, dass der WDR bei seiner Kulturwelle WDR 3 unter anderem die Zahl der Features und den Umfang der politischen Berichterstattung weiter eindampfen will. In dem offenen Brief an WDR-Intendantin Monika Piel heißt es unter anderem: "Die Wirkungen dieser Programmpolitik sind katastrophal. Ein Kulturprogramm verarmt und nicht einmal das Argument, man könne mit weniger Qualitäts-Einschaltradio und mit mehr Begleitmusik auch mehr Hörer gewinnen, stimmt. Im Gegenteil: Die Hörerzahlen sind weiter gesunken. Auch Sie kommen deshalb an der Erkenntnis nicht vorbei: Die allmähliche Zurichtung eines anspruchsvollen Kulturprogramms in ein leicht konsumierbares Häppchenangebot ("Kultur to go") ist nicht nur schädlich, sondern auch gescheitert."

Der WDR will die Vorwürfe so nicht gelten lassen. Im Namen von Monika Piel hat der WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz den Kritikern nun ebenfalls mit einem offenen Brief geantwortet. Darin betont er, dass der WDR mit WDR 3 und WDR 5 im Vergleich zu allen anderen Rundfunkanstalten "das größte Angebot an anspruchsvoller Musik, Hörspielen, Features sowie an Berichterstattung und kritischer Reflexion zu allen Themenbereichen" biete. Zusammen würden die beiden Kultursender über mehr Etatmittel als alle anderen WDR-Hörfunksender zusammen verfügen.

Allerdings müssten die Gelder auch verantwortlich genutzt werden: "Daraus ergibt sich kein Quotendruck, aber die Notwendigkeit, einen relevanten Teil der für anspruchsvolles Kultur- und Informationsradio aufgeschlossenen Menschen im Sendegebiet zu erreichen." Beide Programme müssten daher so aufeinander abgestimmt werden, dass sie sich in ihren Profilen ergänzen und nicht doppeln.

Zugleich gießt Schmitz aber Öl ins Feuer, indem er seinen Kritikern unter anderem vorwirft, "mit einer gewissen Ignoranz" die Musikangebote des Senders nicht zu erwähnen. Viele Feststellungen in dem Brief seien in seiner Wahrnehmung zudem inspiriert "von einem Kulturradio-Verständnis, das in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts modern war". Das sei ihm zwar "verständlich und durchaus sympathisch", aber auch das Radio müsse auf  die dynamischen Veränderungen in der Medienwelt reagieren: "Nicht durch Abbau von Qualität und Vielfalt - damit würden wir die Legitimation öffentlich-rechtlichen Rundfunks gefährden - wohl aber durch Anpassung der Angebote in Form und Inhalt, zum Beispiel an neue Mediennutzungsgewohnheiten vieler Menschen." Ob Schmitz die Kritiker mit seiner Antwort beruhigen kann, erscheint zumindest fraglich. dh
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