WAZ spart im Verlagsbereich und plant Zukäufe

Mittwoch, 30. September 2009
Bodo Hombach
Bodo Hombach

Die Essener WAZ Mediengruppe hat bei der heutigen Betriebsversammlung weitere Sparmaßnahmen angekündigt. Nachdem im Zuge der Umstrukturierungen im redaktionellen Bereich 287 der insgesamt 870 Stellen abgebaut wurden, soll nun laut Geschäftsführer Bodo Hombach in den "nicht journalistischen Verlagsbereichen" gekürzt werden. Wie hoch das Sparziel ist, will der Manager nicht nennen. Spekulationen nach denen bis zu 200 Arbeitsplätze wegfallen sollen, kommentiert er nicht. Nur so viel verrät er: "Wir versuchen nach Kräften, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern." Details sollen erst am 6. Oktober bei einer Betriebsversammlung diskutiert werden. Derzeit prüft die Unternehmensberatung Schickler, wo der Rotstift angesetzt werden kann. Eine Möglichkeit Kosten zu sparen, sieht Hombach in jedem Fall in der verstärkten Zusammenarbeit mit Konkurrenten in nichtjournalistischen Bereichen. So kündigt er beispielsweise eine Kooperation im Vertriebssegment an, die noch in diesem Jahr vertraglich vereinbart werden soll.

Die Umstrukturierungsmaßnahmen der Redaktionen, in deren Zentrum die Errichtung eines Content-Desks für die drei NRW-Titel "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Westfälische Rundschau" und "Neue Ruhr/Rhein-Zeitung" stand, ist nun abgeschlossen. Die 287 Stellen wurden sozialverträglich - das heißt unter anderem über Altersteilzeit und Abfindungen - abgebaut. Das angekündigte Ziel, 300 Arbeitsplätze zu streichen, wurde damit nur knapp verfehlt. Es konnten 28,5 Millionen Euro eingespart werden. Nach Aussage von Hombach schreiben die NRW-Zeitungen inzwischen zusammengenommen schwarze Zahlen. Allein die "Westfälische Rundschau" habe noch Probleme. Der Konzern wird im Jahr 2009 nach Aussagen des Managers schwarze Zahlen schreiben.

Da im Zuge der Restrukturierung auch einige Lokalredaktionen zusammengelegt und die drei Standorte Soest, Werl sowie Hilden komplett geschlossen wurden, ist derzeit nach Aussage der Betriebsräte die Arbeitsbelastung bei den verbliebenen Lokalteams sehr hoch. Daher haben die Arbeitnehmervertreter mit der Geschäftsführung vereinbart, in den nächsten Monaten ein Monitoring durchzuführen. "Wir schauen uns Ort für Ort genau an und überprüfen, wo eventuell Nachjustierungen nötig sind", bestätigt Hombach.

Eine weitere wichtige Baustelle ist der Markt in Südosteuropa. Hier habe die Wirtschaftskrise besonders hart zugeschlagen und die politischen Verhältnisse entwickelten sich zusehends negativ. "Wir beobachten die Übernahme von Medien durch Oligarchen, die damit ihre Interessen durchsetzen wollen. Das gefährdet die Pressefreiheit", so Hombach. Dennoch will die WAZ-Gruppe in Südosteuropa aktiv bleiben, in den nächsten Tagen sogar Zukäufe im Printsektor bekannt geben. Auch im Inland steht eine Akquisition kurz vor dem Abschluss. Der Verlag will seine Anteile an NRW-TV ausbauen. Derzeit hält das Medienhaus 24,9 Prozent. Wieviel die Gruppe hinzukaufen will, dazu schweigt Hombach noch. bn
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