WAZ greift mit "Talk to Go" Bauers "Intouch" an

Freitag, 05. Juni 2009
WAZ-Zeitschriftenchef Manfred Braun
WAZ-Zeitschriftenchef Manfred Braun

Das klingt nach Zickenalarm am Kiosk: Der Essener WAZ-Konzern startet am Dienstag, 9. Juni, ein neues People-Blatt namens "Talk to Go" - zunächst als Markttest. Und auf Zeitungspapier und -format, eventuell als Tabloid. Dies erfuhr HORIZONT.NET aus Vertriebskreisen. Danach soll das als Wochenheft konzipierte "Talk to Go" mit zunächst drei Ausgaben in Ballungsräumen, unter anderem in Nordrhein-Westfalen und in Thüringen, erscheinen. Die Druckauflage soll bei jeweils 100.000 Stück liegen, der Copypreis 90 Cent betragen. Ein Sprecher der WAZ-Gruppe bestätigt auf Anfrage einen Teil der Informationen - nämlich dass am Dienstag ein Markttest eines „neuartigen Zeitschriftenformates" in Nordrhein-Westfalen starte. Das Heft dürfte gegen das im Vertriebsmarkt erfolgreiche Klatschblatt "Intouch" aus der Bauer Media Group positioniert sein. So hat die WAZ-Magazintochter Westdeutscher Zeitschriften-Verlag (WZV) ihren Vertriebspartnern "Intouch" und andere People-Hefte als Pilottitel vorgeschlagen, was bedeutet, dass Grossisten und Händler "Talk to Go" an ähnlichen Verkaufsstellen platzieren sollten. Und das WZV-Führungspersonal zeigt zumindest historische Bauer-Nähe: WAZ-Zeitschriftenchef Manfred Braun, zugleich WZV-Geschäftsführer, stand bis Herbst 2006 über 30 Jahre lang in Bauers Diensten. Im operativen WZV-Geschäft wird Braun unterstützt von Will Blok. Der 66-jährige Niederländer war früher unter anderem Verlagsleiter bei Bauers Frauentiteln, gilt als Vertrauter Brauns und firmiert seit zwei Jahren, nach seinem Ausscheiden bei Bauer, beim WZV offiziell als Berater.

In der Entwicklungsredaktion von "Talk to Go" wiederum soll Marc Werthmann mitgemischt haben. Werthmann war Gründungs-Chefredakteur von "Intouch" und verließ den Bauer-Verlag Anfang 2007. Danach war er auch mal kurz stellvertretender Chefredakteur der "Bunten". Braun sowie ein WAZ-Sprecher widersprechen der Deutung, dass "Talk to Go" Bauers "Intouch" angreifen solle, vehement: Es handele sich um ein "neuartiges Konzept", das nicht gegen andere Publikumsmagazine aufgestellt sei. Zudem erscheine "Talk to Go" auf Zeitungspapier. Richtig sei nur, dass es sich um ein fotogesteuertes People-Heft handele, so Braun gegenüber HORIZONT.NET.

Sabine Ingwersen
Sabine Ingwersen
Das redaktionelle Zepter bei der Entwicklung von "Talk to Go" soll indes Sabine Ingwersen geschwungen haben, die nun wohl auch als Chefredakteurin der Testhefte firmiert. Ingwersen war bis Herbst 2008 Chefredakteurin bei "Frau im Spiegel" - solange der Titel noch zu G+J gehörte. Nach der Übernahme des Wochenblatts durch die WAZ-Gruppe wollte Ingwersen offenbar nicht mit nach München wechseln - und entwickelte für den Konzern stattdessen "Talk to Go". Diesen Namen hat sich Ingwersens Ehemann Knut bereits im April über seine Hamburger Agentur Ingwersen Marketing & Werbung gesichert. Auf ihn ist auch die Domain "talktogo.de" registriert.

Für die WAZ-Gruppe könnte eine erfolgreiche Etablierung von „Talk to Go" die notwendige Verjüngung ihrer Frauenzeitschriftensparte (darunter „Die Aktuelle", „Echo der Frau", „Das goldene Blatt") einläuten. Konkurrenzverlage, die über ein ähnlich traditionell orientiertes Portfolio verfügen, haben mit Heften wie „In" (Klambt/G+J), „O.K." (Klambt) und eben „Intouch" gezeigt, wie es funktionieren kann, junge Frauen als Leser zu gewinnen. „Intouch" (Copypreis: 1,80 Euro) verkauft mittlerweile wöchentlich 309.439 Hefte, „In" (1,80 Euro) liegt bei 226.259 Stück und „O.K" (1,90 Euro) bei 171.852 Heften (IVW I/2009). rp
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