WAZ-Streit: Einstweilige Verfügung gegen Holthoff-Pförtner

Montag, 02. April 2007
Stephan Holthoff-Pförtner
Stephan Holthoff-Pförtner

Im Streit der Funke Familien Gesellschaft (FFG), der die Hälfte der Essener WAZ Mediengruppe gehört, verhärten sich die Fronten weiter. Gegen Stephan Holthoff-Pförtner, einem von drei Bevollmächtigten der FFG, hat WAZ-Miteigentümerin Petra Grotkamp nun eine einstweilige Verfügung bei der Pressekammer des Landgerichts Hamburg erwirkt. Ausgangspunkt sind Aussagen Holthoff-Pförtners in einem HORIZONT-Interview (9/2007). Laut Beschluss der 24. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg vom 28. März 2007 wird Holthoff-Pförtner verboten zu behaupten, dass "die Mehrheit der Gesellschafter Funke und Brost sich einig darüber war, die nach dem Kirch-Konkurs freien Anteile an der Pro Sieben Sat 1 Media zu einem Preis von rund 570 Millionen Euro zu übernehmen. Es lag schon ein unterschriftsreifer, durchverhandelter Kaufvertrag vor, als Familie Grotkamp in letzter Minute ihre Zustimmung verweigerte."

Die einstweilige Verfügung bezieht sich zudem auf folgende Passage im Interview, in der Holthoff-Pförtner behauptet: "Alle drei Stämme der Funke-Erben hatten gemeinsam einen Geschäftsführungsvertrag für die Besetzung des vakanten Geschäftsführerpostens im Einvernehmen verhandelt. Dennoch ist dieser Vertrag von Familie Grotkamp, ohne Angabe von Gründen, letztlich nicht unterschrieben worden."

Erst vergangene Woche wurde eine Entscheidung im Gerichtsverfahren zwischen den Mitgliedern der Funke Familien Gesellschaft (FFG) vertagt. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm erließ einen Beweisbeschluss, wonach Günther Grotkamp als Zeuge gehört werden soll. Der 80-Jährige ist der Ehemann von Petra Grotkamp und ehemaliger Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe.

Die FFG besteht aus den Familienstämmen der drei Funke-Töchter Petra Grotkamp, Gisela Holthoff (gemeinsam mit Sohn Frank) und Renate Schubries, die in Fragen zur Führung und künftigen Ausrichtung der WAZ Mediengruppe seit längerem uneins sind.

Mit Spannung wird der Ausgang eines weiteren Gerichtsverfahrens zwischen den WAZ-Gesellschaftern erwartet. Am 22. Mai wird vor dem Landgericht Essen darüber verhandelt, ob bei wichtigen strategischen und personellen Entscheidungen innerhalb der FFG das Einstimmigkeitsprinzip gilt oder die Mehrheit ausreicht. Außerdem geht es um die Frage, ob die Ausschüttung von mehr als 400 Millionen Euro aus dem Verkauf der RTL-Anteile an Bertelsmann rechtens war. rol

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