WAZ-Mediengruppe kurz vor Verkauf

Montag, 02. Januar 2012
Im Jahr 2012 soll die WAZ-Mediengruppe eine neue Unternehmensstruktur erhalten
Im Jahr 2012 soll die WAZ-Mediengruppe eine neue Unternehmensstruktur erhalten

Petra Grotkamp macht sich zum Endspurt bereit. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ist der Vertrag, der den Eigentümerwechsel bei der WAZ-Mediengruppe regelt, unterschriftsreif. In der zweiten oder dritten Januarwoche soll der Verkauf des Anteils der Brost-Familie an die Tochter Jakob Funkes endgültig unter Dach und Fach sein. Wie die "SZ" meldet, hat Testamentsvollstrecker Gustav Heinemann die Prüfung von Petra Grotkamps Vorhaben abgeschlossen und grünes Licht gegeben. Das Vertragswerk sei "aus seiner Sicht unterschriftsreif". Grotkamp kann demnach die Führung des Medienkonzerns übernehmen, zu dem 40 Zeitungen ("Westdeutsche Allgemeine", "Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung") und mehr als 100 Zeitschriften ("Gong") zählen. Wirtschaftlich betrachtet ein guter Start: Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, liegt das operative Ergebnis der WAZ-Gruppe im Jahr 2011 mit voraussichtlich 110 Millionen Euro wieder im dreistelligen Millionenbereich, während der Umsatz von 1,2 Milliarden Euro (2010) auf etwa 1,1 Milliarden Euro sinken soll.

Mit Heinemanns Beurteilung scheinen sich die zähen Verhandlungen der vergangenen Monate ihrem Abschluss zu nähern. Bereits im August hatte Grotkamp, Tochter des WAZ-Gründers Jakob Funke, den Erben des anderen Gründers, Erich Brost, ein Angebot über insgesamt 470 Millionen Euro für deren Anteile unterbreitet. Wenige Wochen später mischte sich der Axel Springer Verlag ein. Vorstandschef Mathias Döpfner machte den Familienstämmen ein Kaufangebot - und taxierte den Wert der WAZ-Gruppe auch gleich noch 50 Prozent höher: 1,4 Milliarden Euro für den gesamten Konzern. Grotkamp hatte mit ihrem Vorschlag insgesamt 940 Millionen Euro angesetzt. Döpfner dementierte, er habe lediglich eine Bewertung abgegeben. Mag das Angebot auch ein theoretisches gewesen sein, die Verhandlungen wurden dadurch nicht einfacher. Im Gegenteil: Aufgrund des lukrativen Vorstoßes gab Testamentsvollstrecker Heinemann vielmehr ein neues Wertgutachten in Auftrag, das Grotkamps Angebot aber als marktgerecht bestätigte.

Allerdings fehlten den Grotkamps von den rund 500 Millionen Euro Kaufpreis immer noch 50 Millionen Euro. Viele Klauseln, unter anderem das Problem, die WAZ-Anteile nicht als Sicherheit hinterlegen zu können, erschwerten die Verhandlungen mit den Banken. Diese forderten außerdem ein Ende des Streites sowie Einvernehmen und Entspannung zwischen den Gesellschaftern. Angeblich baten Grotkamps letztlich den enterbten, aber einst mit viel Geld abgefundenen Gründersohn Martin Brost um ein Darlehen über die fehlende Summe.

Mit dem von Testamentsvollstrecker Heinemann für unterschriftsreif erklärten Vertrag nähert sich der Übernahmekrimi um den drittgrößten Zeitungskonzern Deutschlands nun seinem Ende. Nach Vorbild der Axel Springer AG soll die organisatorisch verschachtelte Mediengruppe nach der Machtübernahme durch Petra Grotkamp in eine zeitgemäße Unternehmensstruktur überführt werden. Bodo Hombach, der die Brost-Seite in der Geschäftsführung vertritt, scheidet höchstwahrscheinlich in den nächsten Wochen aus. Mit Christian Nienhaus möchte Petra Grotkamp nach Aussagen ihres Anwalts Andreas Urban auch künftig zusammenarbeiten. kl
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