WAZ-Gruppe testet Mantel-System noch in diesem Jahr

Freitag, 07. November 2008
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Jetzt ist es offiziell: Nach zahlreichen Spekulationen stellt nun die Essener WAZ Mediengruppe erstmals der Öffentlichkeit ihr umfassendes Konzept zur Umstrukturierung der Redaktionen in Nordrhein-Westfalen vor. Ziel ist die Schaffung einer titelübergreifenden Mantelredaktion für die Tageszeitungen "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ), "Westfälische Rundschau" (WR) und "Neue Ruhr/Rhein Zeitung" (NRZ). Die Ressorts der Titel werden aufgelöst und durch Newsdesks für die Themenschwerpunkte Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Vermischtes/Fernsehen ersetzt. Die Führung der einzelnen Content-Desks übernehmen die Ressortleiter. Darüber hinaus bündelt die WAZ-Gruppe ihre Kompetenzen im Ausland an den Standorten Washington, Brüssel, Moskau, Paris und London sowie im Inland neben dem Hauptsitz in Essen in den Städten Düsseldorf und Berlin. Die Mantelredaktion soll möglichst schnell starten, noch in diesem Jahr wird voraussichtlich das Redaktionssystem getestet.

Trotz dieser übergreifenden Struktur sollen die Titel ihre Autonomie behalten. Dies hat Ulrich Reitz, Chefredakteur der "WAZ" und im Geschäftsleitungskreis für die Zeitungsredaktionen zuständig, kürzlich gegenüber HORIZONT.NET betont: "Wir werden die individuelle Positionierung der Titel beibehalten. Bei einer gemeinsamen Mantelstruktur werden die einzelnen Redaktionen weiterhin den politischen kulturellen und lokalen Charakter der Blätter pflegen." Eine besondere Stellung wird die "Westfalenpost" (WP) bekommen. Sie soll nicht zu dem Viererbund gehören, da sie das Sondermodell einer Heimatzeitung für Südwestfalen erarbeiten wird. Damit will sie auf die besonderen Bedürfnisse in dieser ländlich strukturierten Region eingehen.

Hinter der Mantelstruktur steht das Ziel, rund 30 Millionen Euro einzusparen. In diesem Rahmen könnten rund 300 der insgesamt 900 Arbeitsplätze wegfallen. Laut Reitz haben die Geschäftsführer den Betriebsräten aller vier Titel vorgeschlagen, umgehend in Verhandlungen über Sozialpläne einzusteigen. Darüber hinaus soll aber auch der Online-Auftritt Der Westen gestärkt werden. Das Portal "gewinnt durch die neue Struktur einen unvergleichlichen Content sowohl in Geschwindigkeit als auch Kompetenz", heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Für alle Redaktionen gilt künftig die Devise "Online First".

Noch ist über all die Pläne noch nicht endgültig entschieden. Die Chefredakteure Ulrich Reitz ("WAZ"), Rüdiger Oppers ("NRZ"), Kathrin Lenzer ("WR") und Bodo Zapp ("WP") haben das Konzept gemeinsam erarbeitet und nun den Betriebsräten vorgestellt. Diese werden nun eigene Vorschläge und Ideen einbringen. Ende November bis Anfang Dezember soll dann eine finale Version vorliegen. bn
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