WAZ-Gruppe baut lokale Berichterstattung massiv aus

Mittwoch, 08. August 2012
"Wir können es gemeinsam schaffen": WAZ-Chef Manfred Braun
"Wir können es gemeinsam schaffen": WAZ-Chef Manfred Braun


Die WAZ-Mediengruppe setzt voll auf die lokale Berichterstattung, um den Auflagenrückgang seiner vier Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen zu stoppen. So werden die Lokalredaktionen gestärkt, während in den überregionalen Ressorts Stellen wegfallen. Insgesamt sind rund 80 Stellen von den Umbesetzungen betroffen. Das kündigt WAZ-Geschäftsführer Manfred Braun gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an. "Ich will mit aller Kraft versuchen, der lokalen Tageszeitung wieder mehr Leben einzuhauchen. Wenn das funktioniert, bedeutet es für alle Zeitungen: Wir gehen nicht unter, wir können es gemeinsam schaffen", betont der Geschäftsführer. Bereits seit Ende Juli erscheinen die vier Tageszeitungen in einer neuen Struktur. Zuvor hatte der Verlag das Verbreitungsgebiet genau unter die Lupe genommen und in 91 Zellen aufgeteilt, die jeweils von einer eigenen Lokalredaktion betreut werden. "Jeder Lokalchef ist ein kleiner Chefredakteur" betont Braun. Jede Lokalausgabe kann theoretisch mit einer eigenen Titelseite erscheinen.

In den Umbau investiert die WAZ-Gruppe "eine niedrige siebenstellige Summe", die vor allem in Schulungen für die Redakteure und das Marketing fließt. "Wenn ich mit diesem Programm den Auflagenrückgang stoppen kann, habe ich erstmalig nicht mit Einsparwellen, sondern mit Investitionen in die Qualität und am Produkt einen Trend beeinflusst", sagt Braun. Zugleich kritisiert er die Sparwelle, der vor drei Jahren fast ein Drittel aller Stellen in den Redaktionen zum Opfer gefallen sind. "Damals wurden gerade im Lokalen Stellen gestrichen, das hätte man auch anders machen können."

Die vier Tageszeitungen der WAZ-Gruppe in NRW, "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung", Westfälische Rundschau" und "Westfalenpost" kommen zusammen auf eine verkaufte Auflage von rund 730.000 Exemplaren und steuern mehr als die Hälfte zum Umsatz des Medienkonzerns bei. Die Erlöse sind allerdings wie bei vielen anderen Zeitungen rückläufig: "Das erste halbe Jahr war bei den Tageszeitungen davon geprägt, dass die Umsätze im Einzelhandel gefallen sind", so Braun.

Insgesamt habe man mit Veränderungen zu lange gezögert, meint der Geschäftsführer: "Das Internet zerstört nicht die Tageszeitung, sondern die Zeitung ist zu vorsichtig, sich der Zeit anzupassen." dh
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