WAZ-Chefredakteur Reitz: "Döpfner will die Preise treiben"

Donnerstag, 20. Oktober 2011
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WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz findet klare Worte für das Kaufangebot von Axel Springer, das mehr oder weniger zufällig vor zwei Wochen via "Manager Magazin" in der Öffentlichkeit bekannt geworden war. "Dahinter steckt ein Stück weit Strategie. Ich denke, Mathias Döpfner will die Preise treiben", sagte Reitz auf den Medientagen in München. Axel Springer hatte Kaufpreise für verschiedene Teile der Gruppe, aber auch die gesamte Gruppe aufgeworfen. Der darin taxierte Wert von 1,4 Milliarden Euro, lag deutlich über dem was Miteigentümerin Petra Grotkamp derzeit für die Anteile der Familie Brost bietet. Demnach wäre der Konzern nur rund 940 Millionen Euro wert. Laut "Manager Magazin" taxiert Springer den Wert aber auf 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro.

Reitz vermutet, dass der Erwerb für die Grotkamps dadurch so teuer wird, dass sie "einen Teilverkauf von dem was Axel Springer interessiert", in Betracht ziehen muss, um die Übernahme zu refinanzieren. Axel Springer interessiert sich seit Jahren vor allem für das Programmzeitschriftenportfolio der WAZ-Gruppe.

"Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommen kann", sagte Reitz. Bei den Lesern und Usern hätten die Berichte große Empörung ausgelöst. In den Foren hätten sie klar gemacht, dass sie den "Bild"-Verlag Springer und den Regionalzeitungsverlag WAZ für unvereinbar halten.

In einer eigentümlicher Klarstellung hatte Springer gestern mitgeteilt, kein Kauf-Angebot für die Essener WAZ-Gruppe als Ganzes abgegeben zu haben, sondern lediglich für Teile der Gruppe. Man habe lediglich klar machen wollen, dass man die Bewertung des Konzerns für "nicht marktgerecht halte. Damit liegt der Verdacht der Preistreiberei um so deutlicher auf der Hand. pap
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