"WAZ-Axt": Funke Mediengruppe streicht weitere 200 Stellen

Donnerstag, 21. März 2013
Die WAZ setzt wieder Mitarbeiter vor die Tür
Die WAZ setzt wieder Mitarbeiter vor die Tür

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) spricht von der "WAZ-Axt", die erneut zuschlägt. 200 Stellen will der Essener Konzern im Redaktions- und Verwaltungsbereich abbauen, wie er am Mittwochnachmittag in einer Mitarbeiter-Information verkündet hat. Betroffen sollen der Content Desk, die Anzeigenblätter sowie der Anzeigenbereich sein. Erst vor zwei Monaten hatte die Mediengruppe das Aus für 120 Redakteure der "Westfälischen Rundschau" verkündet.
Geschäftsführer Nienhaus, Ziegler und Braun (v.l.) Bild: WAZ FotoPool / Kai Kitschenberg
Geschäftsführer Nienhaus, Ziegler und Braun (v.l.) Bild: WAZ FotoPool / Kai Kitschenberg
Die Gründe, die das Anfang des Jahres in Funke Mediengruppe umbenannte Verlagshaus für den angekündigten Personalabbau nennt, sind in der Branche nicht neu - stetig sinkende Abonnentenzahlen, rückläufige Vertriebs- und Anzeigenerlöse, Umsatzrückgänge in Millionenhöhe. Laut der Journalistenplattform Newsroom.de, die aus der Mitarbeiterinformation zitiert, nennen die Geschäftsführer Manfred Braun, Christian Nienhaus und Thomas Ziegler außerdem nicht nur den Discounter Aldi und dessen geplante Abkehr von Werbung in Tageszeitungen als Mitschuldigen für die erneute Sparrunde, sondern zeichnen allgemein ein extrem düsteres Bild: "Unsere Prognosen zeigen Risiken in Millionenhöhe, bereits im Januar und Februar liegen unsere Werbeerlöse unter denen des Vorjahres, das bisher das schlechteste Anzeigenjahr in unserer Geschichte war."

Mit dem erneuten Personalabbau wolle sich die Mediengruppe Freiraum für neue Produkte schaffen. "Die geplante Kostensenkung gibt uns die Möglichkeit, flexibler reagieren zu können und investitionsfähig zu bleiben", zitiert Newsroom.de weiter aus dem Schreiben an die Mitarbeiter, das am Mittwochnachmittag um 15.40 Uhr verschickt worden war. Als wichtiges Ziel bezeichnen die Geschäftsführer den Ausbau des Digitalgeschäfts, doch auch das Kerngeschäft, die Tageszeitungen, solle weiter vorangetrieben werden.

Für Helmut Dahlmann, Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen des DJV, sind das nur "Worthülsen": Das einzig erkennbare Konzept sei Sparen. "Statt in Inhalte und Anzeigenakquise zu investieren, scheint der Konzern nicht mehr an Mitarbeitern interessiert zu sein, die sich für das Produkt Tageszeitung engagieren." Die Journalistengewerkschaft verweist zudem auf Gerüchte, dass die WAZ-Kreisredaktion Recklinghausen geschlossen und die lokalen Inhalte vom Bauer-Verlag zugeliefert werden sollen. Dahlmann: "Wie diese absurden Entwicklungen im WAZ-Konzern noch mit der Aussage übereinstimmen, man wolle das Kerngeschäft Tageszeitungen weiter vorantreiben, bleibt ein Mysterium der Geschäftsführung."

Erst im Januar hatte die Funke Mediengruppe den Rotstift bei der "Westfälischen Rundschau" angesetzt. Die gesamte Redaktion wurde dicht gemacht, 120 Redakteure und Redaktionsmitarbeiter waren betroffen. kl
Meist gelesen
stats