Vorstandsumbau bei Beiersdorf: Ralph Gusko löst Markus Pinger ab

Mittwoch, 22. Juni 2011
Ralph Gusko beerbt Markus Pinger
Ralph Gusko beerbt Markus Pinger

Überraschender Wechsel bei Beiersdorf.  Ralph Gusko,  bisher Geschäftsführer Nord-Europa beim Hamburger Konsumgüterriesen, wird neuer Vorstand Brands & Supply Chain. Er löst Markus Pinger ab, der neuer Chef beim Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio wird und das Unternehmen Ende des Monats verlässt. Der 47-Jährige hatte erst vor gut einem Jahr das Megaressort übernommen. Für Beiersdorf und Konzernchef Thomas-B. Quaas dürfte der Abgang ein herber Verlust sein. Trotz des Wechsels an der Spitze der Markenführung wird es am eingeschlagenen Kurs keine Veränderungen geben. Im Gegenteil: Quaas erwartet eine weitere Intensivierung der Neuausrichtung durch mehr Nähe zu den Märkten. Gusko bringt dafür wohl die besten Voraussetzungen mit. Der Top-Manager arbeitet seit 22 Jahren für Beiersdorf in unterschiedlichen Funktionen der zentralen Markenführung sowie der regionalen Nähe zum Markt. Der 50-Jährige war unter anderem von 2001 bis 2005 Marketingleiter in Deutschland. Als Geschäftsführer war er gesamtverantwortlich für den erfolgreichen Auf- und Ausbau des Beiersdorf-Geschäftes in Südkorea (1995-2001) und in der Region Thailand, Indochina & West-Asien (2005-2009). Seit 2009 ist Ralph Gusko als Geschäftsführer Nord-Europa verantwortlich für die Länder Großbritannien, Irland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island. Der entscheidenden Pluspunkt für ihn: Mit der neuen Nivea-Strategie „Focus on Skin Care, Closer to Markets“ ist er bestens vertraut. Im Pilotmarkt Großbritannien hat er diese samt der neuen Markenkommunikation erfolgreich eingeführt. Die Entwicklung in Großbritannien und den USA dient heute als Vorlage für das weltweite Ausrollen der Strategie.

Markus Pinger wechselt zu Celesio
Markus Pinger wechselt zu Celesio
Trotz der schnellen internen Lösung kommt der Wechsel in der Markenführung ziemlich überraschend. Noch vor wenigen Wochen war davon nichts zu spüren. Bei der Nivea Skin-Journey Anfang Mai anläßlich des 100. Geburtstag von Nivea präsentierte sich Pinger, der dem Beiersdorf-Vorstand seit 2005 angehört,  als überzeugter Niveaner. In der Branche hatte er seit seinen Amtsantritt als Markenchef mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Zum einen mit der Entscheidung, auf die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Stammbetreuer TBWA zu verzichten und stattdessen Draft FCB als alleinige Leadagentur mit der Kreation zu betrauen. Zum anderen mit einer straffen Portfolio-Bereinigung. Neben dem Aus für das Nivea Make-up-Geschäft trennte sich Beiersdorf von den beiden Kosmetikmarken Juvena und Marlies Möller. Pinger gilt als Sanierer und Experte für den Turn Around. In Amerika hatte er das Beiersdorf-Geschäft wieder in die schwarzen Zahlen geführt. In Europa sollte er das schwächelnde Niveageschäft wiederbeleben. Die am Freitag in Deutschland startende Jubiläumskampagne, an deren strategischen Ausrichtung Pinger unmittelbar mitgewirkt hat, bildet dafür eine entscheidende Basis.

Vermutlich sind es genau diese Fähigkeiten, die ihn für Celsio attraktiv haben werden lassen. Das Unternehmen, zu dessen Reich auch die Versandapotheke Doc Morris gehört, hat erheblich an Börsenwert verloren. Erst in der vergangenen Woche hatte der noch bis Ende des Monats amtierende Celesio-Chef Fritz Oesterle den Kapitalmarkt mit einer Gewinnwarnung geschockt. Oesterle gilt nach heftigen Differenzen mit Großaktionär Haniel über die künftige strategische Ausrichtung des Unternehmens seit längerem als CEO auf Abruf. Auf Pinger, der Ende des Monats 48 Jahre alt und Mitte August sein neues Amt antreten wird, wartet eine weitere spannende Aufgabe.  mir
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