Vorstand Bartl: "Sat 1 soll sich auf die eigenen Stärken besinnen"

Freitag, 09. April 2010
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Mit eigenen Shows, deutschen Serien und einen umfangreichen eigenproduzierten Spielfilm-Portfolio will Sat 1 zu alter Stärke zurück. „Sat 1 fehlt ein bissl der Glanz“, sagte Sat-1-Geschäftsfüher Andreas Bartl Mittwochabend vor Journalisten. Bartl, der außerdem im Vorstand von Pro Sieben Sat 1 die Verantwortung für das German Free TV und damit auch Pro Sieben, Kabel Eins und N24 trägt, war Anfang des Jahres wieder selbst ins operative Sendergeschäft zurückgekehrt, nachdem der gerade mal ein Jahr amtierende Guido Bolten seinen Posten als Sat-1-Chef hatte räumen müssen. Der TV-Konzern hat hohes Interesse daran, den Zuschauermarktanteil bei seinem umsatzstärksten Sender auszubauen, um im Werbemarkt noch besser reüssieren zu können. Die teuren Einkäufe von Comedian Oliver Pocher und Moderator Johannes B. Kerner, die noch Bolten eingetütet hatte, haben dem Sender dabei jedoch kaum geholfen. 2009 kam Sat 1 auf einen Zuschauermarktanteil von 10,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

Nun besinnt sich der Sender auf seine DNA, wie Bartl sich ausdrückt. Familienfreundlich, sympathisch, menschlich, relevant sei Sat 1. Auf diesen Imagewerten will er aufbauen und Formate on Air bringen, die dieses Positionierung unterstützen. „Sat 1 soll sich auf die eigenen Stärken und erfolgreichen Werte besinnen“, sagt Bartl. Er wolle sich nicht mehr an anderen Sendern orientieren, sondern einen eigenen Weg zwischen Marktführer RTL und dem konzerneigenen jüngeren Konkurrenten Pro Sieben gehen.

Annette Frier spielt die Anwältin in "Danni Lowinski"
Annette Frier spielt die Anwältin in "Danni Lowinski"
Dazu braucht Sat 1 dringend Formate, die das Gesicht des Senders prägen können. Ehemalige Erfolgsformate wie „Edel und Starck“, der Comedy-Reihe „Ladykracher“ oder der Telenovela „Verliebt in Berlin“ fehlen derzeit im Programm. Das soll sich nun ändern. Den Auftakt bilden die beiden Serien „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“, die kommenden Montag in der Primetime starten.

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Ulla Kock am Brink
Ulla Kock am Brink
Den Freitag will Sat 1 mit Shows wiederbeleben. Noch im April startet die bereits angekündigte Show „Die perfekte Minute“ moderiert von Ulla Kock am Brink. Darin versuchen die Kandidaten binnen einer Minute Aufgaben zu lösen wie zum Beispiel einzeln alle Tücher aus einer Kleenex-Schachtel zu ziehen. Danach kommt die Eigenentwicklung „Mein Mann kann“, die der Konzern auch auf der Filmmesse MIP in Cannes präsentieren wird. Darin pokern Frauen darum, welcher Ehemann vorgegebene Aufgaben am besten erfüllt. Sie überbieten sich zum Beispiel darin, welcher Mann die meisten Chillischoten essen kann. Eingekauft hat Sat 1 zudem die australische Casting-Show „Masterchef“, die den besten Koch sucht, die im Spätsommer laufen soll.

Ebenfalls Freitags wird im Mai die Doppelfolge „Pochers Sommermärchen“ laufen, in der der Comedian erklärt, warum Deutschland Weltmeister werden muss und warum die anderen Nationen verlieren werden. Sat 1 arbeitet zudem an mehreren neuen Comedyformaten, von denen Bartl besonders eines für herausragend hält: Die Impro-Comedy „Wir müssen reden“ mit Annette Frier und Cordula Stratmann, in der die beiden sich beim Italiener unterhalten.

Im Bereich Ficition spielt neben den neuen Serien auch der „Große Sat 1 Film“ eine zentrale Rolle. Die Eigenproduktionen laufen dienstagabends und haben seit Jahresbeginn auch Marktanteile jenseits der 20 Prozent geholt. Hinzu kommen Event-Movies wie „Die Frau des Schläfers“ mit Yvonne Catterfeld, die die Frau eines Terroristen spielt oder die viertteilige Verfilmung des Ken-Follett-Romans „Die Säulen der Erde“, die in der Nähe der Adventszeit ausgestrahlt soll.

Auch im Bereich Factual in dem die Informations- und Dokumentationsformate gebündelt sind, plant Sat 1 mehrere Neuerungen. Unter dem Arbeitstitel „Diagnose Hoffnung“, mit dem der Sender ein amerikanisches Format adaptiert, will Sat 1 Menschen zeigen, die seltene Krankheiten haben und denen nun vor laufender Kamera von Experten geholfen wird. Das Magazin soll im Doppelpack mit „Die Insider“ laufen, das erklärt, wie der menschliche Körper funktioniert.

Auch von dem von „Landlust“ ausgelösten Boom der Landmagazine will Sat 1 profitieren und bringt das „Landmagazin“ sowie „Unser Traum vom Bauernhof“, bei dem sich Städter auf dem Land durchbeißen müssen. Emotional dürfte es bei der Dokumenation mit dem Arbeitstitel „Forever young – der Rentnerchor“ zugehen. Dort will Sat 1 alte Menschen begleiten, die noch einmal ein großes Projekt angehen.

Wie schnell und auf wie viel Bartl die Quoten steigern will, sagt er nicht. „Programmarbeit ist auch mittelfristige Arbeit“, gibt er sich diplomatisch, zumal Sat 1 durch die Fußball-Weltmeisterschaft die auf RTL, ARD und ZDF läuft, im Sommer harter Wind entgegenweht. Mindestens die 11-Prozent-Marke dürfte er jedoch fest im Blick haben. pap
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