Vor dem Digital Innovators' Summit: Wo bleiben die Innovationen der Medien?

Freitag, 09. März 2012

Am Montag und Dienstag kommender Woche treffen sich die deutschen Verleger und Medienmanager beim Digital Innovators' Summit des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Doch auch die imposante internationale Rednerliste des Events kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die großen innovativen Geschäftsmodelle, die der gesamten Zunft Auftrieb geben können, sind Mangelware. Und die geplante Verschärfung des Leistungsschutzrechtes könnte sich noch als Pyrrhussieg für die Medienindustrie erweisen. Consumer, Commerce, Community, Conversion - mit diesen vier C will sich der VDZ nach eigener Aussage beim Summit beschäftigen. Da trifft es sich gut, dass in dieser Woche zwei Ereignisse für Aufsehen sorgten, die für die Branche insgesamt, aber auch die vier Cs Auswirkungen haben könnten: Zum einen die Entscheidung der Bundesregierung, das Leistungsschutzrecht zu verschärfen - die jahrelange VDZ-Lobbyarbeit hat sich ausgezahlt („Bundesregierung bittet Google zur Kasse" titelt die „FTD" am Dienstag. Zum anderen die eindrucksvolle Jahresbilanz von Axel Springer („Springer-Verlag macht das Internet zu Geld", so ebenfalls die „FTD" am Donnerstag).

1. Leistungsschutzrecht oder Wie man Google bestimmt nicht kleinkriegt. „Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen. Damit werden die Presseverlage an den Gewinnen gewerblicher Internet-Dienste beteiligt, die diese - mit der bisher unentgeltlichen - Nutzung der Verlagserzeugnisse erzielen." So lautet der zentrale Satz im Koalitionsbeschluss. Die Message ist klar: Google soll künftig Verlage an den Werbeeinnahmen von Google News beteiligen. Der Satz selbst ist, wie so oft wenn es ums Digitalbusiness geht, ziemlich unklar: Denn nicht nur Google News ist ein News-Aggregator. Auch Turi2 funktioniert nach diesem Prinzip: Kaum vorstellbar, dass Kollege Peter Turi von HORIZONT.NET oder Meedia zur Kasse gebeten wird. Dies ist aber eigentlich nur eine Nebensächlichkeit.

Viel schwerer wiegt: Die „Bundesregierung erspart Verlegern Innovation", wie Zeit-Autor Kai Biermann in einem scharfsinnigen Kommentar feststellt. Natürlich tun Verlage gut daran, mit ihren Erzeugnissen auch im Internet Geld verdienen zu wollen. Schließlich haben sie auch viel in journalistische Inhalte und Websites investiert. Und klar ärgern sich die Medienhäuser zu Recht, dass Unternehmen wie Google von diesen Investitionen mit Milliarden-Gewinnen profitieren. Die Krux ist aber doch: Zum einen ist die deutsche Medienindustrie selbst an entscheidender Stelle mitverantwortlich für die von allen Seiten verdammte „Kostenloskultur des Internets" (was eigentlich ein ideologisches Konstrukt ist, aber das ist eine andere Geschichte). Zum anderen ist es absurd, „nun nachträglich Geld für Inhalte eintreiben, die sie (die Verlage) selbst kostenlos ins Internet stellen" (Kai Biermann).

Damit nicht genug: Die Medien profitieren doch selbst von Suchmaschinen und News-Aggregatoren, weil die Verlinkung von Google News die Reichweite schafft, die sich in Werbeeinnahmen in Millionenhöhe monetarisieren lässt. Hat sich jemand schon mal die Frage gestellt, was eigentlich mit den IVW-Visits und -PIs passiert, wenn Suchmaschinen die Medienangebote nicht mehr listen? Und selbst wenn Google ein „Entgelt" bezahlen würde: Mehr als „lousy pennies" würden doch dabei nicht herausspringen - wenige Großverlage ausgenommen. Fazit: Innovation im Digitalbusiness sieht anders aus.

2. Axel Springer oder Wie ein Medienhaus das Digitale zum Core-Business macht. Rund die Hälfte des Umsatzes und Gewinns will Axel Springer in sieben Jahren mit dem Digitalen machen - so Konzernchef Matthias Döpfner bei der Bilanz-Pressekonferenz Mitte der Woche. Das klingt ganz anders als die „lousy pennies", von denen VDZ-Präsident Hubert Burda vor Jahren bei der DLD-Konferenz geklagt hatte. Entscheidend dabei ist: Das Geld wird vornehmlich nicht mit klassischem journalistischen Content („Qualitätsjournalismus") gemacht - sondern mit Beteiligungen beziehungsweise dem Aufbau von Internet-Portalen

3. Fazit oder wie man die vier C zum Laufen bringt. Von Axel Springer lernen heißt siegen lernen? Wir wollen nicht übertreiben. Axel Springer kann Entwicklungen anstoßen, weil es Axel Springer ist: ein für deutsche Verhältnisse großer Medienkonzern mit großen Medienmarken. Doch auch andere Häuser - beispielsweise Burda - sind erfolgreich, weil ihre Internet-Strategie auf drei zentralen Grundüberlegungen basiert. Erstens: Paid Content im stationären Internet funktioniert nicht, bei Mobile-Applikationen (Smartphones, iPad) sieht dies möglicherweise anders aus. Zweitens: Nicht alle, aber die zentralen Medienmarken des Hauses („Bild", „Welt") sind zu Innovationen (Tablet-Angebote) und Reichweitensteigerung verdammt. Drittens: Erhebliche Investitionen gehen in den Erwerb von Internet-Unternehmen. So könnte es gehen - und vielleicht wird man beim Digital Innovators' Summit ähnliche Geschäftsmodelle präsentiert bekommen. vs
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