Von Krise keine Spur: Der Radiowerbemarkt boomt

Donnerstag, 06. September 2012
Für die Radio-Werbeumsätze geht es aufwärts
Für die Radio-Werbeumsätze geht es aufwärts

Krise - das ist derzeit ein Fremdwort im Radiowerbemarkt. Während Verlage über zerrinnende Werbeeinnahmen und Privat-TV-Sender über die Flaute im Sportsommer jammern, verbucht Radio satte Zuwächse, zumindest brutto: In den ersten sieben Monaten sind die Werbeumsätze des ältesten elektronischen Mediums laut Nielsen um 5,7 Prozent auf 837 Millionen Euro gestiegen, jeder Einzelmonat schloss mit einem Plus ab. Übertroffen wurden die Wachstumsraten nur noch vom Internet, das von Januar bis Juli um 17 Prozent zulegte. Der Gesamtmarkt der Above-the-Line-Medien schaffte ein Plus von 1,4 Prozent. Das gute Abschneiden von Radio hat viele Ursachen. Kunden schätzen die schnelle Wirkung des Mediums, das vor allem Handel und Autoherstellern als Abverkaufshelfer dient. Für Kai Fischer, Geschäftsführer von Hit-Radio Antenne, kann Radio sogar zum Leuchtturm werden, denn: „Unser Markt bietet hohe Reichweiten zu günstigen Preisen und ist bei weitem nicht so stark zersplittert wie TV."

Außerdem steigt die Nutzung, weil Internet und Smartphones neue Hörgelegenheiten schaffen. Laut Media-Analyse 2012 erreicht das Radio pro Werktag 58,3 Millionen Hörer, 600000 mehr als vor einem Jahr. Das spricht sich bei Werbungtreibenden herum: „Die Kunden befassen sich mehr mit Radio und achten zunehmend auf die Qualität ihrer Planung", beobachtet Niels N. von Haken, Chef der MDR-Werbung. Wurde früher einfach die Prime- und Drive-Time gebucht, gehen die Unternehmen heue selektiver vor und schalten auch am Wochenende oder in Nebenzeiten, wenn sie ihre Zielgruppen dort besser erreichen können.

Die nationalen Vermarkter profitieren aber nicht gleichermaßen vom Aufschwung. AS&S Radio legte in den ersten sieben Monaten laut Nielsen um plus 12 Prozent zu, Radio Marketing Service schaffte nur 3 Prozent. Die Reichweite ist schuld, glaubt RMS-Geschäftsführer Florian Ruckert. Vor Jahresfrist konnte die Deutschlandkombi von AS&S Radio in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erstmals an der RMS Super Kombi vorbeiziehen. Inzwischen ist RMS wieder die Nummer 1 und hat AS&S Radio zehn Sender weggeschnappt.

Glaubt man dagegen Oliver Adrian, dann hat AS&S Radio das überzeugendere Produkt: „Warum werden manche Autos mehr verkauft als andere? Vielleicht deshalb, weil sie einfach besser sind", sagt der Geschäftsführer des Vermarkters. Doch 2013 werden ihr zehn Privatradios fehlen. Dass es für die öffentlich-rechtliche AS&S derzeit besser läuft, kann auch an den Preisen des Konkurrenten RMS liegen. Er hat kurze Spots in Relation zu längeren teurer gemacht, was bei Kunden nicht gut ankommt. Zudem wird RMS angeblich von der Group M an der kurzen Leine gehalten, weil sich der Vermarkter 2011 öffentlich gegen dessen Trading-Modell ausgesprochen hat. Für den Rest des Jahres dämpfen die Radiomanager jedenfalls ihre Erwartungen. RMS-Chef Ruckert geht davon aus, 2012 mit einem leichten Plus abschließen zu können. AS&S Radio wird die hohen Wachstumsraten nicht halten können: „Für uns wird 2012 am Ende aber ein starkes Jahr gewesen sein", ist Adrian sicher. gui

-
-
Meist gelesen
stats