Vom Saulus zum Paulus: Pro Sieben Sat 1 plant weiteres Politikformat und Kampagne zur Bundestagswahl

Dienstag, 19. Februar 2013
Thomas Ebeling (4.v.r.) mit dem Beirat von Pro Sieben Sat 1
Thomas Ebeling (4.v.r.) mit dem Beirat von Pro Sieben Sat 1


Pro Sieben Sat 1 entdeckt im Wahljahr 2013 seine Leidenschaft für Politik. Nach der Diskussion über eine Beteiligung von Stefan Raab am TV-Duell der Kanzlerkandidaten hat der TV-Konzern nun die Studie "Wähler und Nichtwähler im Wahljahr 2013" vorgelegt. Demnach wollen rund 30 Prozent der Wahlberechtigten im Herbst nicht zur Bundestagswahl gehen. Pro Sieben Sat 1 will der Wahlmüdigkeit mit einer weiteren Politik-Sendung für junge Menschen und einer Wahlkampagne entgegenwirken. Pro Sieben Sat 1 demonstriert im Wahljahr 2013 Interesse an politischen Themen: Nach der von Edmund Stoiber angestoßenen Diskussion über eine Beteiligung von Stefan Raab an einem TV-Duell der Kanzlerkandidaten legt die Sendergruppe jetzt mit der Studie "Wähler und Nichtwähler im Wahljahr 2013" nach. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Beirats von Pro Sieben Sat 1 wollen derzeit 30 Prozent der Wahlberechtigten nicht zur Bundestagswahl im Herbst gehen. Eine Wahlbeteiligung von unter 70 Prozent würde einen neuen Tiefststand in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland markieren.

"Die Studie zeigt, dass gerade die steigende Zahl der Nichtwähler zur Sprache der Politik oft keinen Zugang hat. Es ist auch die Verantwortung der privaten TV-Sender, hier zur Vermittlung beizutragen und diese Kommunikationslücke zu schließen", sagt Thomas Ebeling, Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1. "Die Ergebnisse sind für uns ein Ansporn, mit innovativen Formaten wie "Absolute Mehrheit", "TV Total Bundestagswahl" oder "1 gegen 1" vor allem junge Menschen für politische Themen zu begeistern."

Auf Anregung seines Beirats will Pro Sieben Sat 1 Ende August nun ein neues Politikformat für junge Zuschauer bei Pro Sieben ausstrahlen. Bereits 2011 hatte das Unternehmen die Entwicklung neuer Informationsformate für junge Menschen angekündigt - bislang allerdings ohne greifbares Ergebnis. Außerdem plant das Unternehmen unter dem Motto "Geh' Wählen!" eine Kampagne, mit der junge Wähler zum Urnengang animiert werden sollen. An der Initiative können sich auch andere Medienunternehmen beteiligen.

2010 hatte Ebeling noch für Aufsehen gesorgt, als er in einem Interview Nachrichten als "Zuschussgeschäft" bezeichnete. "Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", gab der Manager gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" zu Protokoll. Etwa vier Wochen später verkaufte Pro Sieben Sat 1 den defizitären Nachrichtensender N24. Politiker äußerten sich angesichts dieser rein wirtschaftlich getriebenen Sicht auf politische Inhalte besorgt und brachten gesetzliche Regelungen zum Umfang von Nachrichteninhalten ins Spiel.

Ein Beirat unter dem Vorsitz des ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber sollte das angekratzte Image der Sendergruppe daraufhin wieder aufpolieren und den Konzern in wichtigen gesellschafts- und medienpolitischen Fragen beraten. Im Wahljahr 2013 scheint sich die Schaffung des Gremiums nun in der öffentlichen Wahrnehmung auszuzahlen.

Die Studie "Wähler und Nichtwähler im Wahljahr 2013" steht auf der Website von Pro Sieben Sat 1 zum kostenlosen Download zur Verfügung. dh
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