Vom Netz an den Kiosk: Wie "Netdoktor" der Printkrise trotzen will

Montag, 03. Dezember 2012
"Große Nachfrage bei Usern und Werbetreibenden": Netdoktor-Herausgeber Olivier Blanchard
"Große Nachfrage bei Usern und Werbetreibenden": Netdoktor-Herausgeber Olivier Blanchard

Das Online-Portal Netdoktor.de wagt den Sprung aufs Papier: Seit vergangener Woche ist der Printableger der Gesundheitsplattform mit einer Startauflage von 200.000 Exemplaren am Kiosk erhältlich. Die Inhalte werden von einer externen, acht Mitglieder umfassenden Redaktion erstellt. Im Interview mit HORIZONT.NET erklärt Netdoktor-Geschäftsführer und -Herausgeber Olivier Blanchard, warum die Holtzbrinck-Tochter künftig auch auf Gedrucktes setzt und wie man sich gegen die Printkrise wappnen will. Mitten in einer massiven Printkrise gründen Sie ein Magazin. Warum?
Netdoktor.de hat als eines der größten Online-Gesundheitsportale in Deutschland eine kumulierte Jahresreichweite von mehr als sieben Millionen Usern. Wir haben seit 12 Jahren Erfahrung mit der Erstellung von wissenschaftlichem medizinischem Qualitätscontent, den wir laienverständlich aufbereiten. Wir sind daher überzeugt, dass wir mit unserer medizinischen Expertise auch weitere Zielgruppen über das Online-Medium hinaus erreichen und neue Märkte erschließen können. Es besteht auch eine große Nachfrage sowohl bei unseren Usern als auch bei den Werbetreibenden. Netdoktor ist zudem eine starke Marke im Gesundheitsbereich, die wir mit dem Printprodukt nun weiter ausbauen.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass die Krise Sie auch treffen kann?

Natürlich ist uns die herausfordernde Lage der Printbranche bewusst. Wir sehen trotzdem den Bedarf an einem Gesundheitsmagazin, das sich verstärkt mit den tatsächlichen Belangen der Patienten beschäftigt. Dies sind beispielsweise Fragen und Antworten zu verschiedensten medizinischen Themen, bereitgestellt von unseren Netdoktor-Gesundheitsexperten. Im Onlinebereich sind wir seit 12 Jahren eines der größten Gesundheitsportale in Deutschland. Mit dem Printmagazin bieten wir unseren Qualitätscontent nun auch medienübergreifend an und die große Nachfrage seitens der Leser sowie der Werbeindustrie bestätigt uns in diesem Schritt.

Welches Geschäftsmodell wählen Sie, um Netdoktor krisenfest zu machen?

Aktuell sind wir natürlich sehr stark abhängig vom Werbemarkt – Online wie Print. Mit Print gehen wir allerdings zum ersten Mal den Schritt in Richtung "Paid-Service". Mit weiteren individuellen Bezahlservices wollen wir zukünftig die User und Leser an uns binden, wofür wir den Online- als auch Printbereich als Bühne nutzen wollen.

Wie sieht die Vertriebsstrategie aus?

Wir orientieren uns grundsätzlich an der bestehenden Vertriebsstruktur von Gesundheitsmagazinen und werden dort mit entsprechenden PoS-Maßnahmen versuchen, die Leser zum Impulskauf anzuregen.

Die erste Ausgabe von "Netdoktor" liegt seit 29. November am Kiosk (Copypreis: 5 Euro)
Die erste Ausgabe von "Netdoktor" liegt seit 29. November am Kiosk (Copypreis: 5 Euro)
Als beste Versicherung gegen die Krise gelten nach wie vor gute Geschichten. Mit welchen Geschichten wollen Sie die Leser und Anzeigenkunden ködern?
Wir wollen unseren Lesern natürlich redaktionell hochwertigen Inhalt bieten. Daher beziehen wir viele Gesundheitsexperten und Ärzte, also verlässliche und glaubwürdige Quellen, in unsere Arbeit ein. Konkret liefern wir dem Leser 150 Fragen und Antworten rund um das Thema Gesundheit und Medizin, verschiedene Top-Stories sowie Interviews mit Medizin-Spezialisten, z.B. einem Herzchirurg und einem Neurowissenschaftler. Da die Nachfrage seitens der Leser als auch vom Werbemarkt gegeben ist, sind wir überzeugt, dass unser Konzept gut angenommen wird.

Verstehen Sie sich als Special-Interest-Medium oder als Titel für die breite Masse?

Unsere Zielgruppe sind gleichermaßen Frauen wie Männer ab 35 Jahren. Die Themen im Magazin umfassen ebenfalls ein breites Spektrum: von sehr medizinischen Fragen bis hin zu Sporttipps ist für jeden etwas dabei. Wir verstehen uns daher als Medium für die breite Masse, welches ein Nischenthema – nämlich Gesundheit und Medizin – laienverständlich aufbereitet.

Inwiefern unterscheiden sich das Magazin und der Online-Auftritt? Gibt es so etwas wie eine Digitalstrategie für das gedruckte Heft?

Wir präsentieren neueste medizinische Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung sowie spannende Reportagen in Form von längeren Lesestrecken und Interviews, z.B. mit einem Neurowissenschaftler von der Universität Ulm. Natürlich gibt es im Printmagazin keine Community, so wie es auf Netdoktor.de der Fall ist. Dennoch greifen wir den interaktiven Charakter der Community auf und setzen diesen im Heft mit 150 Fragen und Antworten um.  Um beide Medienangebote bestmöglich zu vernetzen, haben wir unter vielen Artikeln Links eingefügt. Der Leser erhält dann zu dem entsprechenden Thema weitergehende Informationen. Einige Artikel des Magazins stehen außerdem als Online-Vorschau zur Verfügung. Wichtig ist zu betonen, dass wir die Printartikel eigens für das Heft erstellt haben. Interview: Ingo Rentz
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