VoD-Pläne der Privatsender: EU-Kommission übergibt Prüfung ans Kartellamt

Donnerstag, 30. September 2010
P7S1-Chef Thomas Ebeling
P7S1-Chef Thomas Ebeling

Pro Sieben Sat 1 und die Mediengruppe RTL Deutschland müssen sich mit dem Start ihrer geplanten Video-Plattform weiter gedulden. Die EU-Kommission hat den Antrag auf Prüfung des Joint Ventures an die nationalen Behörden übergeben, erfuhr HORIZONT.NET auf Nachfrage. Nun gehen das Bundeskartellamt in Bonn und die österreichische Wettbewerbsbehörde der frage nach, ob sie das für Deutschland und Österreich geplante Portal zulassen. Die Entscheidung dürfte sich einige Monate hinziehen. Beide Konzerne - RTL mit der Tochter RTL Interactive - hatten das Projekt im August bei der EU-Kommission zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Sie planen eine offene Plattform, auf der nicht nur die Sender von Pro Sieben Sat 1 (P7S1) und der Mediengruppe RTL ihre Inhalte einstellen können, sondern auch alle anderen Sender. Ausdrücklich hatten die beiden dabei ARD und ZDF genannt. Die öffentlich-rechtlichen Kanäle hatten sich interessiert gezeigt. Anfang der Woche hat sich das ZDF jedoch mit der Produzentenallianz auf den Aufbau einer eigenen Video-On-Demand-Plattform geeinigt. In wie weit das Joint Venture der beiden Großkonzerne tangiert, ist unklar.

Die Entscheidung der nationalen Behörden könnte sich bis Jahresende hinziehen. Sollte dann die Freigabe erfolgen, würde es laut einem Seven-One-Media-Sprecher ungefähr ein halbes Jahr dauern, bis das Portal steht.

Neue Erlösquellen im Internet aufzubauen, steht weit oben auf der Agenda der beiden TV-Konzerne. Den Umsatz mit Bezahlinhalten zu steigern, soll dabei helfen, die immer noch ausgeprägte Abhängigkeit von den Werberlösen zu senken. Sowohl P7S1-Chef Thomas Ebeling als auch RTL-Group-CEO Gerhard Zeiler betonen immer wieder, dass sie perspektivisch mehr mit Pay-TV verdienen wollen. pap
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