VoD: Apple, Google, Amazon - wer setzt sich durch?

Freitag, 03. September 2010
Mit Apple TV hat der Konzern als erster sein VoD-Konzept vorgestellt
Mit Apple TV hat der Konzern als erster sein VoD-Konzept vorgestellt
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Apple, Google und Amazon wollen alle eigene Online-TV-Angebot etablieren. Apple hat am Mittwoch sein Konzept Apple TV vorgestellt, bei Google und Amazon gibt es bislang nur Gerüchte. Demnach will Google Youtube um kostenpflichtige Angebote erweitern, während Amazon mit einem Abonnement-System "Netflix" Konkurrenz machen will. Wer sich durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. HORIZONT.NET hat bei Experten nachgefragt, wem sie den großen Coup im Video-on-Demand-Sektor zutrauen. Alle drei Unternehmen sind im Onlinemarkt fest verwurzelt, aber wer kann sich im Bereich Video on Demand durchsetzen? Apple bietet mit iTunes eine etablierte Kaufplattform und hat mit iPod, iPhone und iPad auch die passenden Endgeräte im Laden. Google kann seine Suchmaschine nutzen, um möglichen Kunden bei ihrer Stichwortsuche geeignete Spielfilme und TV-Serien anzubieten: Wer Vampir sucht, könnte direkt beim Film "Twilight" im kostenpflichtigen Youtube-Bereich landen. Amazon hat mit seiner Kaufplattform einen großen Kundenkreis und zieht durch den Verkauf von DVDs bereits die richtige Klientel an. Außerdem kann ein Aboservice in das bestehende Angebot Amazon Prime integriert werden. HORIZONT.NET hat bei drei Strategieberatern nachgefragt, wem sie am ehesten zutrauen, sich im Video-on-Demand-Bereich zu etablieren.

Roman Friedrich, Vice President von Booz & Company Düsseldorf, ist sich sicher: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Video-on-Demand-Angebote kommen." Momentan gebe es allerdings noch sehr viele verschiedene Segmente und Systeme, bis diese ihre Kunden finden, werde es noch einige Zeit dauern, so Friedrich.

"Google hat eine hohe Reichweite, was Werber ansprechen wird. Video-on-Demand über das Internet wird sich vermutlich vor allem auf Sparteninhalte konzentrieren und weniger auf aktuelle Blockbuster, dadurch kann Google vor allem in Nischensegmenten durch Target Marketing eine große Zielgruppe erreichen. Bei Apple kann man - wie auch schon bei früheren Projekten - davon ausgehen, dass die Qualität sehr gut sein wird. Auch das führt zu einer positiven Dynamik. Ich denke, dass diese beiden Player langfristig die besten Chancen unter den IT-Unternehmen auf dem Markt haben werden."


André Wiegang, Goldmedia, glaubt: Abo ist das Modell der Zukunft
André Wiegang, Goldmedia, glaubt: Abo ist das Modell der Zukunft
Für André Wiegand, Geschäftsführer Goldmedia, reduziert sich die Diskussion um Online-TV nicht nur auf die drei Player Google, Apple und Amazon: "Onlinebrands sind zwar in der Summe besser aufgestellt als nationale Telekommunikationsunternehmen, aber der Weg zum Kunden läuft über den Sprung vom Computer auf den Fernseher, und der ist stark an die Kundenbeziehung gekoppelt." Insgesamt sieht er für Apple gute Chancen: "Apple wird sich im Bereich Online-TV ungefähr so entwickeln wie bei Smartphones und Tablets und damit als Stand-alone-Produkt am attraktivsten sein. Dem Unternehmen geht es dabei vor allem um den Geräteverkauf."

Insgesamt sei jedoch das Geschäftsmodell besonders wichtig, so Wiegand: "Wer ein Abo-System flächendeckend etablieren kann, der hat es geschafft. Mittelfristig werden sich Abonnements richtig rechnen, weil es immer mehr Leute gibt, die ein Abo nicht ausnutzen als solche, die es überstrapazieren." Dennoch glaubt Wiegand nicht daran, dass Amazon sich zu einem der Marktführer entwickeln kann: "Da der Markt in Europa so zerklüftet ist, wird Amazon es hier schwer haben. Ich denke, dass sich in Europa eher andere Player etablieren."

Konrad Weßner, Geschäftsführer Puls Marktforschung, sieht aus zwei Gründen weder Bedarf noch Profitabilität im Vod-Markt: "Zum einen sehe ich keinen bezahlbaren Content, für den Nutzer etwas bezahlen würden. Zum anderen sind die 'youtube-sozialisierten' Nutzer mit der für Communities typischen For-Free-Mentalität aufgewachsen. Diese könnte nur durch das Angebot von exklusivem Content 'aberzogen' werden. Ich glaube nicht, dass Apple & Co in den Bieterwettstreit um den Kauf der Bundesligarechte einsteigen möchten." sw
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