Videoportale ringen um Blockbuster

Mittwoch, 25. März 2009
Joost-CEO Mike Volpi
Joost-CEO Mike Volpi

Nach dem Deutschlandstart des US-Videoportals Joost hofft CEO Mike Volpi, dass sich der Riege der 13 Content-Partner bald weitere Anbieter hinzugesellen. Doch es könnte ein steiniger Weg sein. Gerade TV-Sender distribuieren ihre Inhalte lieber auf eigenen Plattformen. Und das ist nicht die einzige Hürde. Marcus Englert, Vorstand New Media und Diversifikation ProSiebenSat.1 Group, plädiert beispielsweise für eine "kontrollierte Syndizierung". Kurze Clips seien möglich, aber "die aktuellen kompletten Folgen wollen wir nur auf den eigenen Plattformen distribuieren, weil wir uns damit ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für die Zukunft sichern können."

Schließlich ist Pro Sieben unter anderem mit ProSieben.de und Myvideo.de selbst in Sachen digitaler Videotheken unterwegs. Und kann so auch die Erlöse ohne fremde Hilfe steuern. "Double Play – one Pay“ nennt sich das Paket, mit dem Werbekunden ein und dasselbe Programm mit nur einer Standard-Buchung im klassischen Fernsehen bei Pro Sieben und im Internet-TV bei ProSieben.de beziehungsweise ProSieben.tv belegen können. Die Kombination erlaubt es TV-Kampagnen direkt und ohne gesonderte Buchung in Form von Mid-Roll Video-Ads ins Internet-TV zu verlängern.

Hinzu kommt: Interaktivität, die Joost mit der Kooperation mit dem Social Network Netlog intensivieren will, bietet auch eine Plattform wie Myvideo. Obendrein treibt der Sender die Entwicklung eigens für das Web entwickelter Formate voran. Sechs Angebote wurden bereits auf ProSieben.de und MyVideo.de gestartet, darunter "Blockbuster TV", "SevenGames TV" (ProSieben.de) oder "The Flat", Deutschlands erste Online-Sitcom auf MyVideo.de.

Was Sevenload-Chef Axel Schmiegelow über Joost denkt lesen Sie auf der nächsten Seite.
Axel Schmiegelow
Axel Schmiegelow
Auch Sevenload-Geschäftsführer Axel Schmiegelow betrachtet den Markteintritt von Joost, das nach dem Start mit deutschsprachigen Filmen im Laufe des Jahres auch die Sprache auf der Website lokalisieren will, ganz entspannt: "Dieser Markteintritt zeigt, zu welcher relevanten Größe sich Web-TV am Markt entwickeln konnte. Wir sind zuversichtlich, dass Joost für uns keine direkte Bedrohung darstellt, sondern im Gegenteil sogar ein Kooperationspartner bei der Distribution von Inhalten werden könnte."

Bange machen gilt also nicht. Zumal sich Sevenload selbst erfolgreich um Partner und Inhalte aus dem TV-Segment bemüht. Mit Partnern wie MTV und Dmax nähert sich die Burda-Beteiligung mit kleinen Schritten dem selbsterklärten Anspruch vom TV-Vollprogramm im Web. Jüngster Neuzugang: Zusammen mit Nick startet Sevenload einen neuen Branded Channel für Kinder und zeigt dort Highlight-Clips der Serien "SpongeBob Schwammkopf" und "Invader Zim".

Bislang ist das Portal Hulu nur in den USA verfügbar
Bislang ist das Portal Hulu nur in den USA verfügbar
Damit nicht genug. Gegenwärtig mehren sich die Anzeichen, dass Hulu.com seine internationale Expansion vorantreibt. Das Joint Venture von NBC und Rupert Murdochs News Corp zeigt in den USA bereits etliche aktuelle Serien und gilt mit 130 Inhalte-Anbietern und 1.100 TV-Programmen und Filmen als heißer Youtube-Konkurrent. Nun startet der Dienst in Großbritannien.

In Deutschland schien zu Jahresbeginn eine Freigabe greifbar. Wenige Tage war das hierzulande gesperrte Angebot für deutsche Nutzer frei erreichbar. Dann wurde der freie Zugang, wohl Folge eines technischen Versehens, wieder gesperrt.

Mit Johannes Larcher als Senior Vice President hat sich Hulu nun zudem einen Mann in den Vorstand geholt, der offenbar den internationalen Roll-out voranbringen soll. Im Ringen um attraktive Inhalte könnte also in Deutschland bald ein weiterer Mitbewerber mitmischen.

Dabei befinden sich die Inhalte-Anbieter schon jetzt in einer luxuriösen Position. "Für Rechteinhaber qualitativ hochwertiger Inhalte bietet IPTV jedoch eine enorme Chance. Wo früher nicht mal eine Hand voll ernst zu nehmender Lizenzeinkäufer von Content in Deutschland bestanden, haben heute eine Vielzahl von IPTV-Plattformen Interesse daran. Das erhöht selbstverständlich den Marktwert der Inhalte und schafft eine neue Ausgangssituation bei Lizenzverhandlungen für Produzenten", sagt Alexander Schulz-Heyn, Vorstandsvorsitzender, Deutscher IPTV Verband. ork
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