Videoportal von RTL und Pro Sieben Sat 1 steht vor dem Aus

Donnerstag, 19. April 2012
RTL und Pro Sieben Sat 1 müssen weiter mit ihren eigenen Portalen Vorlieb nehmen
RTL und Pro Sieben Sat 1 müssen weiter mit ihren eigenen Portalen Vorlieb nehmen


RTL und Pro Sieben Sat 1 müssen ihre Pläne für ein gemeinsames Videoportal wohl endgültig begraben. Das Oberlandesgericht Düsseldorf folgte am Mittwoch den Argumenten des Bundeskartellamtes. Die Wettbewerbshüter hatten das Vorhaben untersagt. Nach Ansicht des Kartellamtes würde eine gemeinsame Video-on-Demand-Plattform das marktbeherrschende Duopol der beiden TV-Gruppen auf dem deutschen Fernsehmarkt weiter verstärken. Der Marktanteil der beiden Unternehmen im bei Internetvideos liege zwar nur bei rund fünf Prozent, entscheidend seien allerdings die Rückwirkungen auf den Werbemarkt: "Das bestehende Duopol wird verstärkt. Wir halten das im Ergebnis für zutreffend", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Kühnen. Das Gericht will seine Entscheidung am 20. Juni verkünden.

Die Vertreter der beiden TV-Gruppen zeigten sich enttäuscht. Sie hatten argumentiert, dass es kein Duopol auf dem TV-Werbemarkt gebe. Zwischen RTL und Pro Sieben Sat 1 herrsche scharfer Wettbewerb. Zudem sollte die Plattform auch kleineren Anbietern offen stehen.

Auch ARD und ZDF wollen eine gemeinsame Video-Plattform im Internet aufbauen. Das Projekt mit dem Arbeitstitel "Germany's Gold" hat kürzlich die erste rechtliche Hürde genommen: Das Bundeskartellamt sieht keine fusionsrechtlichen Probleme bei dem Projekt. In einem gesonderten Kartellverfahren wollen die Wettbewerbshüter aber ebenfalls mögliche Wettbewerbsbeschränkungen auf dem Produktions- und Lizenzmarkt genauer unter die Lupe nehmen. Das Vorhaben unterliege den gleichen kartellrechtlichen Maßstäben wie die geplante Plattform von RTL und Pro Sieben Sat 1, betonte das Kartellamt. dh
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