Videoportal von ARD und ZDF soll noch 2012 starten

Donnerstag, 05. April 2012
Alexander Coridaß, ZDF Enterprises
Alexander Coridaß, ZDF Enterprises

ARD und ZDF drücken bei der Gründung ihres Videoportals auf's Tempo. Die Gründung des Berteiberunternehmens steht kurz bevor, berichtet das "Handelsblatt". Die kommerzielle Zweitverwertung der gebührenfinanzierten Inhalte von ARD und ZDF ist umstritten. "In den nächsten Wochen wird die Gesellschaft gegründet", sagte Alexander Coridaß, Geschäftsführer von ZDF Enterprises, dem "Handelsblatt" auf der Film- und Fernsehmesse Mip-TV in Cannes. Bis Ende April soll das Unternehmen in Berlin aus der Taufe gehoben werden, der Start der Video-on-Demand-Plattform ist noch für 2012 vorgesehen: "Wir wollen noch in diesem Jahr starten, um das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen", sagt Thomas Weymar, Geschäftsführer der ARD-Rechtevertriebstochter Global Screen und Gesellschafter des neuen Videoportals.

Geführt werden soll die Plattform von einer Doppelspitze, derzeit wird nach geeigneten Kandidaten für die Geschäftsführung gesucht. Auch die Namensfindung für das Portal (Arbeitstitel: "Germany's Gold") läuft laut "HB" bereits. Die Gesellschafterstruktur steht indes bereits fest: Jeweils 33 Prozent werden ARD und ZDF über privatwirtschaftliche Tochterunternehmen wie ZDF Enterprises, WDR Mediagroup und Global Screen halten. Jeweils 17 Prozent übernehmen der Filmhändler und Produzent Jan Mojto und eine Reihe von TV-Produktionsfirmen wie Brainpool, Ziegler Film, Schmidtz Katze, NdF und Studio Hamburg. Finanzieren soll sich das Portal über Werbung und kostenpflichtige Inhalte.

Medienpolitisch ist das Vorhaben umstritten. Vor allem der privaten Konkurrenz ist die Plattform ein Dorn im Auge. Aus ihrer Sicht ist die Zweitverwertung von Inhalten, die mit Gebührengeldern finanziert wurden, problematisch. Eine erste rechtliche Hürde hat die Plattform im vergangenen November aber bereits genommen: Das Bundeskartellamt sieht keine fusionsrechtlichen Probleme bei dem Projekt. In einem gesonderten Kartellverfahren durchleuchten die Wettbewerbshüter allerdings noch mögliche Wettbewerbsbeschränkungen auf dem Produktions- und Lizenzmarkt.

Im Frühjahr 2011 hatte das Bundeskartellamt eine gemeinsame Videoplattform von RTL und Pro Sieben Sat 1 unter Hinweis auf die marktbeherrschende Stellung der beiden Unternehmen auf dem Fernsehwerbemarkt verboten. dh
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