Vertriebsstreit: G+J lässt Bauers „Top 100”-Aktion verbieten / Bauer ändert Logo und macht weiter

Mittwoch, 24. März 2010
Bauers prompte Reaktion: Auf das alte Top-100-Siegel ...
Bauers prompte Reaktion: Auf das alte Top-100-Siegel ...

Im Dauerstreit zwischen der Bauer Media Group und dem Rest der Verlagsbranche in Sachen Vertriebspolitik eröffnet diesmal Gruner + Jahr (und nicht die Grossisten und Bauer im munteren Wechsel) eine weitere juristische Front: Die G+J-Vertriebstochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) hat eine einstweilige Verfügung (EV) gegen Bauers „Top 100"-Vertriebsaktion im Einzelhandel erwirkt. Dies bestätigten DPV und Bauer auf Anfrage von HORIZONT.NET. Die G+J-Vertriebssparte beruft sich bei ihrer EV auf „wettbewerbsrechtliche Gründe": Das „Top 100"-Logo auf den Covern mancher Bauer-Titel suggeriere den offiziellen Charakter eines IVW-Siegels und führe Kunden und vor allem Kioskbesitzer in die Irre, weil die Kennzeichnung nicht in jedem Fall der Umsatzbedeutung der Titel in der jeweiligen Presseverkaufsstelle entspreche.

... folgt schnell ein neues
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Bauer jedenfalls reagiert prompt - und ändert sein Logo: Nun firmiert die Bauer Media Group als Absender, und die IVW taucht als Quelle des Einzelhandels-Umsatzes nicht mehr auf - sondern der Fachdienst „DNV", der vor ein paar Wochen ein entsprechendes Umsatzranking veröffentlicht hat. „Unsere Aktion geht mit Volldampf weiter", sagt Bauer-Vertriebschef Heribert Bertram. Parallel erwäge man, gegen die EV von Gruner + Jahr wiederum juristisch vorzugehen.

Dass die übrigen Verlage Bauers Muskelspiele am Kiosk nicht begrüßen würden, war bald nach dem Start der „Top 100"-Aktion klar. Offiziell wollten die meisten anderen Häuser die Initiative, die Bauer etwas keck bis scheinheilig als Gattungsmarketing zu verkaufen versuchte, lediglich als reine Marketingaktion Bauers sehen - und nicht weiter kommentieren. "Jedem Verlagshaus steht es frei, seine Titelseiten so zu gestalten, wie es möchte", hatte ein Sprecher der WAZ-Gruppe ergänzt. Lediglich G+J und der Jahreszeiten Verlag äußerten sich explizit kritisch (HORIZONT 10/2010 vom 11. März 2010), ebenso wie manche Verlags-Nationalvertriebe via Pressemitteilung und Beschwerdebrief. Tenor: Bauers Aktion gefährde die Chancengleichheit aller Titel im Presseregal.

Dieser neue Rechtsstreit ist der mittlerweile dritte, den Bauer wegen seiner Vertriebspolitik auszufechten hat. Der erste dreht sich um Kündigungen einzelner Grossisten, der zweite um angebliche Geldforderungen durch Bauer im Nachgang dieser Kündigungen. rp
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