Verstoß gegen G+J-Regeln kostet News-Chef Matthias Schönwandt den Job

Dienstag, 31. Mai 2011
Muss seinen Hut nehmen: Matthias Schönwandt
Muss seinen Hut nehmen: Matthias Schönwandt

Alarm in den Alpen: Österreich, Gruner + Jahrs zweitwichtigster Auslandsmarkt (nach Frankreich, vor Spanien) kommt nicht zur Ruhe. Nach nur vier Monaten trennt sich G+J mit sofortiger Wirkung von Matthias Schönwandt, dem Geschäftsführer des österreichischen Tochterverlags News-Gruppe. Der Manager hat nach G+J-Angaben gegen die Compliance-Richtlinien des Hamburger Medienhauses verstoßen. Über die genauen Hintergründe der Trennung sagt G+J allerdings nichts. Es sei Stillschweigen vereinbart worden. Ein "Konzerninsider" erklärte gegenüber dem Portal derstandard.at, es handle sich "definitiv nicht um strafrechtlich relevante Vorgänge". Bei kleineren, inhabergeführten Firmen "wäre das kein Problem". G+J aber habe strikte Richtlinien, so der zitierte Insider gegenüber dem österreichischen Portal.

Update: Nach Informationen der österreichischen Zeitung "Der Standard" sollen "Geschenke zur Pflege von Geschäftsbeziehungen in Größenordnungen im niedrigen Tausenderbereich" an Geschäftspartner der Grund sein.

"Es gibt bei Gruner + Jahr ein für alle Mitarbeiter weltweit verbindliches Regelwerk, das die Spielregeln im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit regelt. Gegen diese internen Regeln hat Matthias Schönwandt nach eingehender interner Prüfung und Dokumentation verstoßen", begründet G+J-Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein die plötzliche Trennung von Schönwandt.

Schönwandt hat seinen Job in Wien erst im Februar dieses Jahres angetreten, als Nachfolger des mächtigen und machtbewussten langjährigen G+J-Österreich-Chefs Oliver Voigt, dessen Vertrag Ende 2010 ausgelaufen war.

Man habe Schönwandt in seiner kurzen Zeit "als Geschäftsführer und als Mensch sehr zu schätzen gelernt", dennoch habe er einen Fehler begangen, der nicht geduldet werden kann, so Klein: "Ich bedaure diese Entwicklung sehr, aber nachdem weltweit gleiche Spielregeln für die unternehmerische Tätigkeit bei Gruner + Jahr gelten, haben wir uns für den Weg der einvernehmlichen Vertragsaufhebung entschieden", so der G+J-Auslandsvorstand weiter. Die Aufgaben von Schönwandt wird zunächst Vize-Chef Johannes Werle interimistisch weiterführen. Und dann? "Wir werden nun im Gesellschafterkreis diskutieren, was zu tun ist. Einen Schnellschuss wird es jedenfalls nicht geben, die Nachfolgesuche wird einige Zeit in Anspruch nehmen", sagt Klein gegenüber dem "Standard". Gesellschafter sind G+J (56 Prozent), Raiffeisen Niederösterreich-Wien/"Kurier" (25 Prozent) und die Gründerfamilie Fellner (19 Prozent).

Schönwandt war im Februar von der RTV Media Group (vormals Deutscher Supplement Verlag) zur österreichischen G+J-Tochter News-Gruppe gewechselt. Sein Nachfolger bei RTV ist der frühere Bauer-Manager Matthias Körner. Sowohl RTV/Arvato als auch News-Gruppe/G+J gehören zum Medienkonzern Bertelsmann. dh/rp
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