Verquere neue "Welt"-Kampagne: Die banalen Spots mit Benjamin von Stuckrad-Barre und Henryk M. Broder

Donnerstag, 27. September 2012
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Axel Springer wagt sich mit seiner "Welt"-Markenkampagne jetzt auch in die deutschen TV-Werbeblöcke und Kinosäle. Nach den Anzeigen, Online-Bannern und Plakaten, die bereits seit Anfang September im Einsatz sind, hat Kreativkopf Oliver Voss mit seiner gleichnamigen Agentur jetzt auch zwei 30-Sekünder für das Berliner Verlagshaus entwickelt. Das Positive vorweg: Die im Pop-Art-Look gehaltenen Spots werden den Fernsehzuschauern und Kinogängern schon aufgrund ihrer Machart ganz sicher im Gedächtnis bleiben. Ansonsten sind die Commercials nicht gerade ein großer Wurf: Die "Weisheiten", mit denen sich die als Testimonials fungierenden "Welt"-Autoren Benjamin von Stuckrad-Barre und Henryk M. Broder an die Leserschaft wenden, sind jedenfalls an Banalität kaum zu überbieten.


"Also neu ist eines der schönsten Wörter": Die wenig geistreiche Botschaft, die "Welt"-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre gleich zu Beginn des ersten Spots den sicherlich verdutzten Zuschauern verkündet, zeigt, wie die Macher der Kampagne auf Teufel komm raus versuchen, die im neuen Claim ("Die Welt gehört denen, die neu denken") verankerte Markenbotschaft in dem Commercial unterzubringen - und dabei leider so verkrampfen, dass es am Ende beinahe peinlich wird.

Vor allem der von Tony Petersen Film Hamburg produzierte Spot mit Benjamin von Stuckrad-Barre, der sich geschlagene 30 Sekunden lang zum Thema "neu" auslässt, dürfte viele Zuschauer ratlos zurücklassen. So verrät der Autor, dass sein Interesse an Neuem für ihn der eigentliche Grund sei, morgens aufzustehen. Genauso verhalte es sich auch mit dem Atmen: "Das ist ja schon dieser Grundvorgang: Ich will was Neues, ich brauche frische Luft. Alles muss ja jeden Tag neu gedacht und neu geschrieben werden. Sonst schläft das Gehirn ein". Aha. Eine Wahnsinns-Erkenntnis! Was die Sauerstoffaufnahme nun aber mit der "Welt" zu tun hat, erschließt sich dem Publikum leider nicht.

Das zweite Commercial, in dem sich Henryk M. Broder mit dem Thema "Fragen" auseinandersetzt, ist zwar nicht ganz so trivial und stellt immerhin auch einen inhaltlichen Bezug zur redaktionellen Arbeit bei einer Tageszeitung her, wirft aber mit beliebigen Exkursen zu Themen wie Postkutschen und Raumfahrt eben auch mehr Fragen auf als dass es Antworten gibt, die einen potenziellen Leser vielleicht interessiert hätten.

Unabhängig davon stellt sich die Frage, ob der knallig-bunte Auftritt im Pop-Art-Look überhaupt zu einem konservativen Titel wie "Die Welt" passt. HORIZONT-Autor Spießer Alfons hat sich in seiner jüngsten Glosse ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt und hat da so seine Zweifel. mas
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