Verlegerverbände deuten Monika Piels Charme-Offensive als Taktik

Mittwoch, 05. Januar 2011
VDZ-Geschäftsführer Fürstner will von Piel nun auch Taten sehen
VDZ-Geschäftsführer Fürstner will von Piel nun auch Taten sehen

Nachdem die neue ARD-Vorsitzende Monika Piel zu Beginn der Woche in einem regelrechten Interviewmarathon Entgegenkommen gegenüber den Printhäusern signalisiert hat, reagieren der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) kühl. Zwar deutet VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner ihre Aussagen als positives Signal. "Den Worten des Verständnisses müssen allerdings auch Taten folgen", sagt der Verbandschef auf Anfrage von HORIZONT. Hintergrund: Nachdem die WDR-Intendantin Piel zum Jahreswechsel von Peter Boudgoust den ARD-Vorsitz übernommen hat, startete sie gleich in mehreren Interviews eine regelrechte Charme-Offensive gegenüber den Verlagen. Die Lösung des seit Jahren schwelenden Konfliktes sieht sie als "eines der wichtigsten Anliegen meiner Amtszeit", betont sie gegenüber dem "Hamburger Abendblatt". Unter anderem wolle sie sich "vehement dafür einsetzen, dass unsere öffentlich-rechtlichen Apps kostenpflichtig sind", verkündet sie im Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau".

Doch der Teufel steckt wieder einmal im Detail, denn für diesen Schritt stellt sie eine entscheidende Bedingung: Der Verlegerverband muss die Apps kostenpflichtig machen. Die Tagesschau-App könne als Bezahlangebot nicht funktionieren, "wenn gleichzeitig im Netz jede Zeitung auch ein kostenloses Info-Internetangebot hat". Der BDZV entlarvt Piels vordergründigen Annäherungsversuch denn auch als geschickten Schachzug, um die Verantwortung von sich zu schieben. Natürlich appelliere der BDZV an die Printhäuser, eine Bezahlkultur zu etablieren, sagt der Verbandssprecher Hans Joachim Fuhrmann gegenüber HORIZONT. "Aber wir leben in einer freien Marktwirtschaft und können keinen Verlag dazu zwingen. Das weiß auch Monika Piel."

Und selbst wenn sich die ARD dazu durchringt, die Tagesschau-App künftig kostenpflichtig anzubieten, ist das laut Fürstner zwar ein Fortschritt. Das ändere aber nichts daran, dass eine pressemäßige Textberichterstattung ebenso rechtswidrig und medienpolitisch gefährlich sei. BDZV-Sprecher Fuhrmann gibt sich denn auch kämpferisch: "Wir lassen uns nicht ablenken." Erneut appelliert Fürstner an die Politik, "sich endlich der Wettbewerbsverzerrung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk entgegenzustellen".

Immerhin wollen sich die Parteien in den kommenden Wochen an einen Tisch setzen. Gerade im Hinblick auf Kooperationen gibt sich der BDZV offen. Der Medienkonzern Axel Springer ist bereits aktiv geworden. Ende des Jahres war Piel bei der Präsentation der Bild-App anwesend. Sie verrät: "Wir im WDR sind mit der Axel Springer AG im Gespräch über einige Dinge." bn
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