Verlegersohn Sebastian Ganske: "Nach Apple wird es neue Innovatoren geben"

Donnerstag, 13. Januar 2011
Jungverleger Sebastian Ganske
Jungverleger Sebastian Ganske


Es ist die Zeit der Generationswechsel in der Verlagswelt -
fast vollzogen (Bauer), behutsam eingeleitet (Burda) oder vorerst gescheitert (M. DuMont Schauberg). Bei der Ganske-Gruppe in Hamburg begann dieser sensible Prozess ganz leise: Im Sommer 2009 übernahm Verlegersohn Sebastian Ganske, heute 34, erste Aufgaben im Familienunternehmen, und seitdem immer ein bisschen mehr. Ist er da nicht verführt, die Entscheidungswege zu verkürzen und Dinge direkt mit seinem Vater Thomas Ganske beim Sonntagskaffee klarzumachen, anstatt montags das Management überzeugen zu müssen? "So funktioniert unser Haus nicht", sagt Sebastian Ganske im exklusiven HORIZONT-Gespräch - seinem ersten Interview überhaupt: „Mein Vater gibt nichts von oben nach unten durch, sondern hier werden Projekte miteinander erarbeitet und nicht über Nacht einsam entschieden."

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Das Interview über seine Karriere im Familienbetrieb, die Faszination des Digitalen sowie über die legendäre "Woche" lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 2/2011, die am Donnerstag, 13. Januar erscheint.

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Zur Gruppe gehören der Jahreszeiten Verlag mit seinen Publikumstiteln ("Für Sie", "Petra", "Merian", "Prinz"), der Kundenmagazin-Anbieter Hoffmann & Campe Corporate Publishing ("BMW Magazin"), die Buchverlage Hoffmann & Campe (Star-Autor: Siegfried Lenz) sowie Gräfe und Unzer, mehrere Buch-, CD- und Kunst-Versandhändler, der App-Entwickler iPublish mit Navigations- und Event-Datenbanken sowie Reiseportale. Der Umsatz liegt bei 257 Millionen Euro (2009), ein Zehntel aus dem Digitalgeschäft. Zum Vergleich: Fünf Jahre zuvor, 2004, lag der Ganske-Umsatz noch bei rund 280 Millionen Euro. Die aktuelle Zahl der Mitarbeiter: über 1600.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Ganske das Digitalgeschäft der Verlagsgruppe weiterentwickeln will

"In der Digitalvermarktung braucht es größere Einheiten"

Sebastian Ganske: "Es gibt immer Inhalte, die ein Muss sind"
Sebastian Ganske: "Es gibt immer Inhalte, die ein Muss sind"
Herr Ganske, das Digitalgeschäft Ihrer Gruppe wirkt etwas verstreut: iPublish kümmert sich um mobile Content-Vermarktung, 4 Seasons Digital Net tritt als Dienstleister für alle Online-Aktivitäten der Gruppe auf, und die Jalag-Unit Neue Geschäftsfelder soll zusätzliche Erlösmodelle entwickeln. Ginge das nicht ein bisschen gebündelter?
Das ist ja auch ein weites Gebiet. Bei den Neuen Geschäftsfeldern geht es eher um Lizenzen und Bezahlservices, bei iPublish um Reise- und Navigationsangebote. Wir bei 4 Seasons Digital Net übernehmen das Programmieren und die Produktion von Inhalten. Mittlerweile haben wir aber auch externe Kunden: So haben wir für das Szenemagazin "Blue" eine iPad-App erstellt. Bei Bedarf holen wir uns die Expertise der anderen Units, wir alle unterstützen uns gegenseitig. Außerdem sind alle digitalen Kompetenzen im Vorstand bei Frank-H. Häger in einer Person gebündelt. Und das digitale Geschäft der Gruppe ist inzwischen recht umfangreich mit rund 130 Apps im Apple-Store. Hinzu kommen nach derzeitigem Stand rund 50 E-Mags, darunter die Jalag-Frauenzeitschriften, "Prinz" und die "Top Guides", aber auch "Meine erste Wohnung" für junge Leute oder die "Hamburger Kochgeheimnisse". Bei den eBooks für iPhone und iPad stehen über 100 Titel zur Verfügung.

Sie haben die Redaktion der Jalag-Frauenportale, die bisher von einem externen Dienstleister erledigt wurde, ins Haus geholt und die Sites auf eine gemeinsame Technikplattform gestellt. Bald folgen die übrigen Titel. Doch die Vermarktung ist noch dreigeteilt: Spiegel QC betreut Merian.de, Glam Media die Frauensites, der Rest geschieht inhouse. Warum so zersplittert?
Wir wollen das weiterhin trennen, denn unsere Objektgruppen sind zu unterschiedlich. Eine gemeinsame Vermarktung wäre nur vorteilhaft, wenn wir das selbst übernehmen würden - doch dafür ist unser Online-Portfolio noch nicht groß genug. Derzeit vermarkten wir selbst unsere Sites vor allem über unsere Magazine bei Unternehmen, die bereits unsere Print-Kunden sind. In der Digitalvermarktung braucht es größere Einheiten, deshalb setzen wir auch auf Dienstleister mit einem breiten und großen Portfolio. Ein weiteres Hindernis für den Aufbau einer komplett eigenen Vermarktung ist die Unsicherheit, in welche Richtung der Performance-Nachweis geht: Qualität, Reichweite, vertikale Netzwerke?

Dank der Nutzerfreundlichkeit seiner Systeme sehen Sie Apple beim digitalen Medienvertrieb derzeit weit vorne. Doch Verlage sind in der Apple-Logik nichts weiter als App-Entwickler. Und alle klagen über die komplizierte Zusammenarbeit.
Genau die Prozesse, die die Zusammenarbeit mit Apple tatsächlich oftmals kompliziert gestalten, sorgen dafür, dass die Apps am Ende funktionieren, ganz im Sinne der User. Das müssen wir uns zunutze machen und unsere wertvollen Inhalte auch wertvoll vermitteln.

Sind Verlagsinhalte denn so attraktiv, dass die User dafür zahlen?
Aber sicher! Sonst gäbe es ja kein Print-Vertriebsgeschäft. Es gibt immer Inhalte, die für manche Nutzer ein Muss sind und für andere nicht. Ein Beispiel: Für Sie und mich ist unser "Feinschmecker" vielleicht eher eine Kann- als eine Muss-Lektüre. Für Gastronomen aber nicht - die müssen ihn lesen. Hobbyköche und genussorientierte Menschen ebenso. Daraus leiten sich viele Möglichkeiten ab, die man digital besonders gut differenzieren kann: Wir müssen die besten Kombinationen unterschiedlicher Preisbereitschaften, Inhaltkategorien, Darreichungsformen und Endgeräte finden. Ich denke aber, das wichtigste Erfolgskriterium für Paid Content sind nicht nur die Attraktivität der Inhalte und die Knappheit des Angebots, sondern immer mehr die Nutzerfreundlichkeit des Bezahlvorgangs nach dem Prinzip „Click and Buy" - für mich ist das eine der wichtigsten Entwicklungen von Amazon.

Finden Sie es denn gerecht, dass Apple das Verkaufsgeschäft bestimmt und mitkassiert?
Apple hat als First Mover den Medienshop iTunes etabliert und bestimmt dort die Regeln. So ist das eben. Aber es wird einen nächsten Innovator geben. Vielleicht ist dann wieder Google an der Reihe mit seinem Chrome-Browser, über den man kostenpflichtige Inhalte auf jedes Endgerät herunterladen kann.

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