Verleger Thomas Ganske: "Kein Garantieschein für alle Grossisten"

Freitag, 17. August 2012
Kein Freibrief für Grossisten: Thomas Ganske
Kein Freibrief für Grossisten: Thomas Ganske


Schutz ja - aber nicht bedingungslos: Thomas Ganske, Verleger der gleichnamigen Verlagsgruppe (Hoffmann und Campe, Gräfe und Unzer, Jahreszeiten Verlag) in Hamburg, stellt den deutschen Grossisten keinen Freibrief aus. Dies machte er in seiner Rede anlässlich der Verleihung des „Sally-Awards" des Vereins Arbeitskreis Mittelständischer Verlage (AMV) an Staatsminister Bernd Neumann am Donnerstagabend in Hamburg deutlich. "Es kann keinen Garantieschein für alle gegenwärtigen Grossisten geben, und einzelnen Grossisten muss selbstverständlich auch gekündigt werden dürfen", sagte Ganske. Es müsse durchaus Wettbewerb geben - zumindest indirekt und von der Einstellung her: Die rund 70 deutschen Grosso-Betriebe, die für ihr jeweiliges Gebiet gemäß Branchenabsprache ein Monopol genießen, sollten sich stets „so verhalten, als ob es einen Wettbewerber gäbe", so Ganske, der manche der Handelspartner damit offenbar zu besserer Leistung auffordern will.

Seine Worte sind insofern bemerkenswert, als er, sein Jahreszeiten Verlag („Für Sie", „Petra", Feinschmecker", „Merian") und dessen früherer Vertriebschef Hermann Schmidt 1999 die Antreiber der Gründung des AMV waren, um die Interessen der kleineren Verlage besser zu artikulieren. Und deren Interessen sind beim Thema Vertriebssystem denen der Grossisten in vielen Punkten ähnlich - aber eben nicht in allen Ausprägungen, wie Ganskes Aussagen jetzt zeigen.

Doch natürlich setzt sich auch und gerade Ganske mit Herz und Kopf für den Erhalt des Grosso-Systems ein. Dieses sei auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht die beste Lösung: „Es lohnt sich für alle.“ Tatsächlich profitieren alle Seiten davon: Kleine Titel, deren Vertriebskosten so von den großen subventioniert werden. Axel Springers „Bild“, andere Massenblätter sowie Regionalzeitungen, die sich ein derart breites Vertriebsnetz alleine niemals leisten wollten. Die Grossisten mit ihren Gebietsmonopolen. Und die Leser, die jeden Titel überall kaufen können.

Das Ende des Alleinauslieferungsrechts der Grossisten und des zentralen Verhandlungsmandats ihres Verbandes – letzteres ist bekanntlich durch die bisher erfolgreiche Klage der Bauer Media Group in Gefahr – „hätten ohne jeden Zweifel das Ende der Pressevielfalt zur Folge“, so Ganske: „Wir als kleiner Verlag können bisher unsere ganze Kraft auf unsere Produkte setzen, denn wir wissen, dass wir durch den freien und neutralen Zugang zum Markt und zum Leser am Kiosk unsere faire Chance erhalten.“ Und da die Selbstregulierung des Marktes, die bisherige Absprache privater Unternehmen, beim Erhalt der "Netzneutralität" im Begriff sei zu versagen, sei nun „der Gesetzgeber als letztes Mittel“ gefordert.

Die Entwicklung, dass immer mehr Grossisten fusionieren und ihre Gebiete zu größeren Einheiten zusammenlegen, sieht Ganske auch mit Sorge: „Dabei kann viel regionale Marktkenntnis verloren gehen.“ rp
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