Verleger Sulzberger: "Irgendwann wird die New York Times die Druckausgabe einstellen"

Montag, 13. September 2010
New York Times: Arthur Salzberger Jr setzt künftig auf Online statt Print (Foto: New York Times)
New York Times: Arthur Salzberger Jr setzt künftig auf Online statt Print (Foto: New York Times)

Können Sie sich vorstellen, die "Süddeutsche Zeitung" künftig nur noch online zu lesen? Arthur Sulzberger Jr, Verleger der traditionsreichen "New York Times", scheinbar schon – zumindest bei seiner Zeitung: "Wir werden irgendwann in der Zukunft aufhören, die 'New York Times' zu drucken". Dies verkündete Sulzberger im Rahmen des 9th International Newsroom Summit in London. Laut Teilnehmern war dies jedoch keine Ankündigung für einen unmittelbar bevorstehenden Stopp der Printausgabe, sondern ein Hinweis darauf, dass es keine seriöse Aussage zu der Frage gibt, wie lange es Zeitungen noch gedruckt werden. Gerüchte, das Jahr 2015 sei als Endpunkt für die Druckausgabe gesetzt, bestätigte der Verleger nicht. Er erklärte lediglich, ein genauer Zeitpunkt stehe nicht fest und müsse erst noch beschlossen werden.

Mit dieser Aussage schockt Sulzberger die Medienbranche, die sich vor allem in Deutschland immer wieder für das Weiterbestehen der gedruckten Zeitung ausspricht. Die in dieser Woche verstorbene WAZ-Gesellschafterin Anneliese Brost sagte noch am vergangenen Samstag in einem Interview, sie sei von der Zukunft der Zeitung überzeugt. Auch "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann ist sich sicher, dass "starke Printmarken eine fantastische Zukunft haben".

Statt auf Print will "New York Times"-Verleger Sulzberger in Zukunft auf Online setzen: Seiner Meinung nach werden die Leser immer mehr dazu bereit sein, Informationen im Internet zu kaufen, wenn diese ihr Leben bereichern können. Aus diesem Grund will die "New York Times" Anfang 2011 auch eine Paywall in ihr Internetangebot NYTimes.com einbauen. Nutzer sollen eine bestimmte Anzahl von Artikeln pro Monat weiterhin kostenfrei einsehen können, für alle weiteren müssen sie zahlen. Die Details des Paid-Content-Bereichs müssen jedoch noch erarbeitet werden. "Wir glauben, dass seriöse Medienunternehmen anfangen müssen, zusätzliche Einnahmen von ihren Lesern einzufordern", so Sulzberger. sw
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