Verleger-Enkel Axel Sven Springer legt Enthüllungsbuch zum Erbstreit vor

Montag, 16. April 2012
Axel Sven Springer
Axel Sven Springer

Enthüllung zur Unzeit: Nur zwei Wochen, bevor der Medienkonzern Axel Springer den 100. Geburtstag seines Gründers Axel Cäsar Springer feiert, hat dessen Enkel ein Buch veröffentlicht. In "Das neue Testament" breitet Axel Sven Springer seine Sicht der Dinge zum jahrelangen Erbschaftsstreit mit Verlegerwitwe Friede Springer aus. "Ich dachte es sei Zeit, einer breiten Öffentlichkeit zu erklären, warum ich sieben Jahre lang wegen des Erbes prozessiert habe", erklärt der 46-Jährige im Interview mit dem "Spiegel", warum er sich ausgerechnet jetzt zu Wort meldet. Der 100. Geburtstag seines Großvaters sei der richtige Anlass, "um mein Verhältnis zu ihm und die Machenschaften hinter seinem Erbe aus meiner Sicht darzulegen".

Axel Sven Springer, genannt "Aggi", galt als Lieblingsenkel seines Großvaters und sollte eigentlich einmal 25 Prozent der Anteile von Axel Springer an dem Verlag erben. So sah es zumindest das Testament des Verlegers vor. Nach dem Tod Springers im Jahr 1985 eröffnete der Testamentsvollstrecker Bernhard Servatius den Erben, Springer habe seinen letzten Willen kurz vor seinem Tod noch einmal geändert. Seine Witwe Friede Springer, Axel Svens Stiefgroßmutter, sollte demnach 70 Prozent statt der ursprünglich vorgesehenen 50 Prozent erhalten, seine Kinder jeweils 10 Prozent und die beiden Enkel jeweils 5 Prozent. Unterzeichnet war das neue Testament nicht. Aggi, damals 19-jährig, willigte ein. Erst 2002 focht er die Erbschaftsregelung an, unterlag aber in allen Instanzen.

"Ich wusste damals nicht, was ich heute weiß", sagt der Enkel im "Spiegel"-Interview. "Es geht einfach darum, dass der letzte Wille meines Großvaters nicht so umgesetzt wurde, wie er hätte umgesetzt werden müssen", begründet er seine späte Entscheidung, das Erbe anzufechten.

Von Verlegerwitwe Friede Springer erwartet er zumindest ein klärendes Gespräch: "Wie wär's mit reden?" Er habe mal mit seiner Großmutter gesprochen, "aber das war nicht so ergiebig. Ich hoffe aber, dass sich in ruhigen Momenten auch Friede mal überlegen wird, dass das nicht so toll gelaufen ist". An eine Versöhnung mit der Witwe des Verlegers glaubt er nach seinem Enthüllungsbuch aber offensichtlich nicht ernsthaft. Auf die Frage des "Spiegel", ob er nun ein Versöhnungsangebot oder eine Klage erwarte, antwortet er: "Ersteres wäre mit lieber. Aber ich habe noch leere Ordner im Keller." dh
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