Verlags-Apps fürs iPad: Zwischen Euphorie und Ernüchterung

Dienstag, 06. Dezember 2011
Oliver von Wersch von G+J Media Sales
Oliver von Wersch von G+J Media Sales

Die deutschen Verlage sehen nach wie vor große Chancen in einer Präsenz auf dem iPad, die Zeiten der ungebremsten Euphorie sind allerdings inzwischen vorbei. Das wurde heute auf dem ersten Tablet Summit deutlich, den HORIZONT gemeinsam mit The Conference Group noch bis morgen in Frankfurt veranstaltet. So zeigten sich die Verlagsvertreter zwar überzeugt davon, dass die Nachfrage nach Tablets weiter steigen und sich die Mediennutzung infolge dessen stark verändern wird. Doch bevor sich hochwertiger Journalismus auf iPad und Co rechnet, muss sich noch viel ändern. Oliver von Wersch, Leiter Mobile und Mitglied der Geschäftsführung bei G+J Media Sales, rechnet zwar damit, dass sich Tablets im Haushalt etablieren und die Nachfrage stark ansteigt. "Einen echten Massenmarkt wie bei Smartphones sehen wir aber in absehbarer Zeit bei Tablets nicht", so von Wersch. Weiteres Problem der Verlage ist, dass sich journalistisch hochwertige und aufwändig produzierteiPad-Apps derzeit in der Regel (noch) nicht rechnen. "Ich kenne kein Paid-Content-Angebot eines Verlags auf dem iPad, das für sich gesehen rentabel ist", sagt von Wersch. Grund sind die noch ineffizienten Produktionsprozesse. "Solange es keine integrierten Systeme gibt, mit denen man verschiedenste Plattformen bedienen kann, werden diese Angebote nicht profitabel sein", sagt Wersch - und nennt gleich ein Beispiel aus dem eigenen Hause. So seien derzeit jede Woche fünf Mitarbeiter damit beschäftigt, das E-Mag des "Stern" fürs Tablet aufzubereiten. Ein integriertes Produktionssystem für sämtliche Plattformen würde die Effizienz deutlich erhöhen. 

Der 1. HORIZONT Tablet Summit findet am 6. und 7. Dezember in Frankfurt statt
Der 1. HORIZONT Tablet Summit findet am 6. und 7. Dezember in Frankfurt statt


Auch bei der Aufbereitung der Inhalte müssen die Verlage aus Sicht des G+J-Managers noch dazulernen. "Tablets können sich als wichtige Distributionsplattform für Inhalte etablieren, aber nur, wenn wir es schaffen, dem Nutzer genau die Inhalte zu bieten, die er in seiner individuellen Nutzungssituation haben möchte", so von Wersch. "Nur für solche Inhalte werden die Nutzer zahlen".

Was für den Content gilt, gilt freilich auch für die Werbung. Von Wersch warnt Werbungtreibende und Agenturen davor, weiterhin in Kanälen zu denken. "Es geht nicht mehr um Kanäle, sondern um Customer Touchpoints. Werbung wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie die Nutzer in einer Art und Weise anspricht, die der aktuellen Nutzungssituation gerecht wird", so von Wersch. mas
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