Verlage vs. Google: Warum Fair Share nicht hilft

Freitag, 24. Juli 2009

Dass Hurbert Burda ein Kunstfreund ist, ist jüngst bis zu Kulturhistoriker Don Alfonso vorgedrungen und dürfte damit jedem Beta-Blogger dieser Republik bekannt sein. Auch im Interview mit dem „Manager Magazin" stellt Verlags- und VDZ-Chef Burda sein kunsthistorisch und philosophisch einzigartiges Wissen unter Beweis: „Walter Benjamin", erinnert Burda an den scharfsinnigen Philosophen der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, „hat einmal gesagt, wann immer sich die Medien ändern, ändert sich die Gesellschaft."  Wo sich der Kunsthistoriker Benjamin seinerzeit mit dem „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" beschäftigte, muss sich der Kunsthistoriker Burda mit dem Journalismus und Verlagsgeschäft im Zeitalter der Googleisierung befassen. Neben wahren Erkenntnissen bleibt aber auch der Vordenker Burda im „MM" bei vielen Antworten im Vagen: symptomatisch für eine Branche, die derzeit händeringend nach zukunftsweisenden Geschäftsmodellen sucht und bislang nicht über Appelle, Forderungen und Gedankenanstöße hinausgekommen ist (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die mittlerweile von über 170 Printhäusern europaweit unterzeichnete Hamburger Erklärung von Anfang Juni ist keine Bankrotterklärung, wie jüngst Stefan Niggemeier nach einer guten Analyse zu dramatisch schlussfolgerte, aber doch ein Zeichen dafür, dass die Medienhäuser die eigentlich entscheidende Frage:
Wie sehen journalistische Geschäftsmodelle der Zukunft wirklich aus?" “
noch nicht richtig durchdrungen haben.

Man darf sich nichts vormachen: Keines der in den vergangenen Wochen proklamierten Modelle -  Staatsknete, Befreiung von der Mehrwertsteuer, Kulturpauschale, Leistungsschutzrecht oder gar Fair Share - wird den Medienhäusern dauerhaft ein ertragreiches Wirtschaften ermöglichen und „Qualitätsjournalismus" weiterhin bezahlbar machen: Selbst wenn Google Deutschland 10 Prozent seines Umsatzes als Fair Share an deutsche Verlage auszahlen würde - es wären „lousy pennies" für die Medienhäuser, die davon profitieren würden.


Umgekehrt gilt aber auch: Google und die vielen Blogger machen es sich zu einfach, wenn sie darauf hinweisen, dass niemand deutsche Verleger zwingt, ihre Sites über Google auffindbar zu machen und gar noch daraufhin zu „optimieren". Google ist ein Quasi-Monopol und Monopole haben die Eigenart, dass man an ihnen nicht vorbeikommt (es ist ohnehin interessant, wie sehr die Mehrzahl der sonst so basisdemokratischen Blogger den Supergiganten  Google bewundert).

Ohne Google geht also nichts. Umgekehrt braucht aber auch Google die Verlage - und vom Google-Neusprech, dass für die Suchmaschine das Miniblog genauso zählt wie Spiegel Online, sollte man sich nicht verwirren lassen: Wenn beispielsweise die größten Nachrichtensites beschließen  würden, Google auszusperren, wäre Google News auf einmal nur ein mittelmäßig interessanter und bedeutender News-Aggregator. Also liebe Macher von Spiegel.de, Bild.de, Focus.de u. a.: Einfach mal spaßeshalber für eine Woche "User-agent: *" und "Disallow: /" im Quellcode eintragen - vielleicht kommt dann der heimliche Erzfeind von seinem hohen Ross herunter.

Vielleicht sollte man sich aber auch ein Beispiel an Jochen Wegner nehmen. Der Chef von Focus Online ist sicher: „Die Diskussion über neue Erlösmodelle für Qualitätsjournalismus steht erst am Anfang." Das in einigen Wochen unter der Federführung von Wegner gelaunchte Burda-Projekt und News-Portal Nachrichten.de gibt vielleicht ja schon Hinweise, wohin die Reise gehen könnte: „Hier wird es", verspricht Wegner, „in jedem Fall Fair Share für die indizierten Verlagssites geben."
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