Verlage schließen sich gegen Apple zusammen

Dienstag, 08. Februar 2011
Hoffnungsträger und Herausforderung für die Verlage: Das iPad von Apple
Hoffnungsträger und Herausforderung für die Verlage: Das iPad von Apple


Die europäischen Verlage suchen gegen Apple den Schulterschluss und wehren sich gemeinsam gegen die Pläne des Technikgiganten, den Verkauf von digitalen Inhalten für das iPad zu monopolisieren. Die Verlage fürchten um ihre direkten Kundenbeziehungen. Im März will der Weltverband der Zeitschriftenverleger bei seinem Treffen in Berlin die Position der Branche weltweit abstimmen. Hintergrund der länderübergreifenden Verlagsaktivitäten sind die Pläne von Apple, den Vertrieb von digitalen Inhalten für den Tablet-Computer iPad bei seinem eigenen Online-Shop iTunes zwingend vorzuschreiben. Für die Verlage würde das den Verlust der direkten Beziehungen zum Endkunden bedeuten - ein Pfund, das kein Verlag freiwillig aus der Hand geben will. "Das Abonnement ist das Herzstück verlegerischer Arbeit. Die Verbindung vom Verlag zum Leser stellt die wichtigsten Informationen für Verlage zur Verfügung", sagt Wolfgang Füstner, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Zeitschriftenverleger VDZ, im Interview mit dem "Handelsblatt". Ein Verbot, Apps ohne Informationsmöglichkeiten über die Leser zu verkaufen, wäre "ein schwerer, nicht hinnehmbarer Eingriff durch Apple", betont Fürstner.

Um den größtenteils mittelständischen Verlagen bei dem Technikkonzern Gehör zu verschaffen, bündeln sie nun ihre Interessen. In einem Schreiben hat der europäische Verband der Zeitungsverleger ENPA Apple aufgefordert, Verlagen kein bestimmtes Geschäftsmodell vorzuschreiben. Im März wollen die Verlage beim Treffen des Weltverbands der Zeitschriftenverleger in Berlin ihre Position sogar global abstimmen. "Die Größenverhältnisse erschweren derzeit den Dialog", erklärt Fürstner die gemeinsamen Anstrengungen. "Der einzelne Verlag hat gegenüber Giganten wie Apple kaum Chancen, seine Interessen durchzusetzen."

Apple behält derzeit für jede Transaktion über seinen Online-Shop iTunes eine Umsatzprovision in Höhe von 30 Prozent. Die Möglichkeit, Inhalte direkt über das Internet zu vertreiben, will Apple auf dem iPad künftig unterbinden. In dieser Woche wollen sich bereits die deutschen Verleger treffen, um das weitere Vorgehen gegen Apple abzustimmen.

Hoffnung können die Verlage indes durch die größer werdende Konkurrenz für das iPad schöpfen: Erst kürzlich hat der Internetgigant Google eine neue, für Tablet-Computer geeignete Version seines Handy-Betriebssystems Android vorgestellt. Über den Google-Shop Marketplace soll künftig zudem auch der Vertrieb von Apps möglich sein. Google gewährt seinen Marktpartnern dabei mehr Freiheiten bei der Preisgestaltung als Apple. Außerdem drängen immer mehr Hersteller wie Samsung, Dell oder HP mit eigenen Tablet-Computern auf den Markt. Der Marktanteil des Quasi-Monopolisten Apple bei Tablets wird in den kommenden Jahren daher mit Sicherheit sinken. dh
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