Vergleich zwischen Deutscher Bank und Kirch-Erben droht zu platzen

Montag, 27. Februar 2012
Die Erben von Leo Kirch wollen weiter um Schadensersatz kämpfen
Die Erben von Leo Kirch wollen weiter um Schadensersatz kämpfen

Der Vergleich zwischen der Deutschen Bank und den Erben von Medienunternehmer Leo Kirch steht offenbar auf der Kippe. Der Vorstand der Deutschen Bank ist nach Informationen des "Spiegel" mehrheitlich gegen den Kompromiss. Rückendeckung bekommt die Bank durch ein neuen Gutachten, demzufolge die Kirch-Gruppe zum Zeitpunkt des umstrittenen Interviews von Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer bereits überschuldet war. Das erst jetzt bekannt gewordene Gutachten stammt aus einem weiteren Prozess zur Pleite der Kirch-Gruppe und wurde vom Oberlandesgericht München in Auftrag gegeben. Darin kommen die Gutachter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouse Coopers (PwC) zu dem Schluss, dass die Kirch-Dachgesellschaft Taurus Holding bereits Ende Januar 2002, und damit noch vor dem vermeintlich folgenschweren Interview von Breuer, mit 1,7 Milliarden Euro hoffnungslos überschuldet war. Breuer hatte am 4. Februar 2002 in einem Fernsehinterview die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich angezweifelt - und damit in den Augen den Medienmoguls den Zusammenbruch seines Firmenimperiums eingeleitet. "Erschossen hat mich der Rolf", soll Kirch zu Lebzeiten gesagt haben.

Bei der Deutschen Bank schwindet daher offenbar die Bereitschaft, dem vor rund zwei Wochen von Vorstandschef Josef Ackermann ausgehandelten Vergleich in Höhe von 812 Millionen Euro zuzustimmen. Der Vorstand würde Gefahr laufen, sich Schadensersatzklagen wegen Untreue einzuhandeln und müsste zudem Ex-Chef Rolf Breuer in Regress nehmen. Während der scheidende Vorstandschef Ackermann das Kapitel nach zehn Jahren Rechtsstreit zu einem Abschluss bringen will, sind die designierten Vorstandschefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, laut "Spiegel" gegen den Vergleich.

Die Kirch-Erben wollen nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" indes hart bleiben und notfalls weiter prozessieren. Einen deutlich geringeren Betrag werde die Kirch-Seite nicht akzeptieren, berichtet die "SZ" unter Berufung auf Verhandlungskreise. dh
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