Verbraucher im Fokus: Wie das ZDF den Dienstagabend aufmöbeln will

Freitag, 15. Februar 2013
Sternekoch Nelson Müller testet für das ZDF No-Name-Lebensmittel (Foto: ZDF/Willi Weber)
Sternekoch Nelson Müller testet für das ZDF No-Name-Lebensmittel (Foto: ZDF/Willi Weber)
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Die ARD hat es mit ihrem "Markencheck" vorgemacht, nun buhlt auch das ZDF verstärkt um kritische Verbraucher: Künftig will das Zweite am Dienstagabend mehr verbraucherorientierte Themen zur besten Sendezeit in den Fokus rücken. Geplant ist unter anderem ein Vergleich der Discounter Aldi und Lidl. Ratgeber für kritische Verbraucher um 20.15 Uhr: Damit versucht die ARD seit gut einem Jahr, Zuschauer zu ködern - und das größtenteils mit Erfolg. Zwischen 3 und 5 Millionen Zuschauer fährt das Format seit seinem Start ein, auch in der jungen Zielgruppe kommen die "Markenchecks" regelmäßig gut an.

Das ZDF versucht nun, mit einer ähnlichen Strategie den Dienstagabend auf Vordermann zu bringen. Nachdem dieser Sendeplatz zuletzt dem Anschein nach etwas beliebig besetzt worden war, etwa mit allerlei Nazi-Dokus, Heimatreportagen oder Adelsporträts, rücken nun verbraucherrelevente Themen in den Vordergrund. Die von der Redaktion ZDFzeit konzipierte Sendung "Wie gut ist Billig-Bio", die am Dienstag im Zweiten zu sehen war, bildete hierfür den Auftakt - und die Einschaltquoten bewegten sich gleich auf ähnlichem Niveau wie die "Markenchecks" der ARD. Nächste Woche folgt die Episode "Wie gut sind No-Name-Lebensmittel", erneut präsentiert von Sternekoch Nelson Müller.

In den kommenden sechs Wochen strahlt das ZDF weitere Dokumentationen aus, die Konsumenten im Alltag Orientierung bieten sollen: Am 5. März soll die Sendung "Die ganze Wahrheit über Fitness" darüber aufklären, wie und für wen Bewegung Sinn macht und ob Fitness-Trends etwas taugen. Am 2. April schließlich folgt ein Duell der Discounter: Dann lässt ZDFzeit Aldi gegen Lidl antreten. Zwei deutsche Durchschnittsfamilien werden jeweils einmal bei einer der beiden Supermarktketten einkaufen und ihren Einkauf bewerten. Angekündigt ist außerdem ein Blick auf die Geschichte der beiden Unternehmen.

Roman Beuler
Roman Beuler
"Wir glauben, dass diese Dokumentationen im besten Sinne dem Aufklärungsgedanken folgen, nämlich den Zuschauer durch die Informationen in die Lage zu versetzen, eigenständige und unabhängige Entscheidungen zu treffen - in diesem Fall Konsum-Entscheidungen", sagt Roman Beuler, Redaktionsleiter "Zeitgeschehen" beim ZDF und in dieser Eigenschaft für ZDFzeit verantwortlich. Die Checks der ARD seien hierbei nicht Vorbild im eigentlichen Sinne gewesen. "Es ist wohl eher so, dass die gleichen redaktionellen und dramaturgischen Überlegungen zu Ergebnissen führen, die dann Ähnlichkeiten aufweisen. Im Fernsehen - wie in jedem anderen Metier - ist das ja kein ungewöhnlicher Vorgang", so Beuler.

Ob Verbraucher-Themen auch langfristig den Kurs bestimmen, sei Teil der Überlegungen, die das ZDF für Herbst und Winter und das Frühjahr 2014 anstellt. "Der gute Zuschauererfolg hat aber auf jeden Fall gezeigt, dass das Publikum auch in der Primetime durchaus bereit ist, sich mit für sie relevanten Informationen auseinander zu setzen", sagt Beuler.

Es dürfte für das ZDF nicht leicht werden, sich am Dienstagabend im Gesamtpublikum gegen die ARD zu behaupten: Deren Serien "Um Himmels Willen" und "In aller Freundschaft" machen in der Regel den Quotensieg unter sich aus. "Die Konkurrenzsituation am Dienstag Abend ist hart, das ist uns bewusst. Es ist naturgemäß sehr schwer, Zuschauer von Unterhaltung in Richtung Information zu bewegen", sagt Beuler. Ziel sei, mit Verbraucherthemen eine breite Masse an Zuschauern anzusprechen und so konkurrenzfähig zu sein. ire
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