Verbots-Debatte: Industrie pocht auf Werbung im ARD-Hörfunk

Montag, 26. April 2010
Wollen ein Werbeverbot nicht akzeptieren: Markenverbands-Chef Christian Köhler...
Wollen ein Werbeverbot nicht akzeptieren: Markenverbands-Chef Christian Köhler...

In der aktuell wieder aufflammenden Diskussion um Werbeverbote für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk melden sich nun die Kunden zu Wort. Die Botschaft ist eindeutig: Die Unternehmen wollen keinesfalls auf Werbung in den öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogrammen verzichten und drohen im Falle eines Verbots sogar damit, Budgets im großen Stil aus der Radiowerbung abzuziehen. „Die werbeführenden ARD-Radioprogramme sind für die Markenwirtschaft und die werbenden Unternehmen eine unverzichtbare Plattform, um in nationalen Kampagnen und in einer differenzierten Zielgruppenansprache Reichweiten zu steigern", bringt Christian Köhler, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes, die Sicht der Industrie auf den Punkt.

... und OWM-Chef Joachim Schütz
... und OWM-Chef Joachim Schütz
Seine Aussage unterfüttert er mit Zahlen, die es in sich haben: Laut einer aktuellen Studie, die der Markenverband gemeinsam mit der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) in Auftrag gegeben hat, bewerten 70 Prozent der Media-Entscheider aus Agenturen und Unternehmen das Medium Radio ohne Werbemöglichkeiten im ARD-Hörfunk nicht mehr als flächendeckendes nationales Angebot. Damit würde Radio als Gattung aus der Planung vieler nationaler Kampagnen komplett verschwinden. 86 Prozent der befragten Entscheider wollen bei einem kompletten Werbeverbot im ARD-Hörfunk sogar lieber auf andere Mediengattungen ausweichen, gut die Hälfte schon im Falle einer möglichen weiteren Werbeeinschränkung.

Begründet wird der angedrohte Abzug von Budgets damit, dass im Falle eines Werbeverbots oder weiterer Einschränkungen das wettbewerbliche Preisgefüge im Hörfunk stark gestört werde. "Einige Interessenvertreter der privaten Hörfunksender scheinen hier den Ast absägen zu wollen, auf dem sie sitzen", stichelt OWM-Chef Joachim Schütz mit Blick auf die anhaltenden Forderungen der Privaten nach einem Werbeverbot im öffentlich-rechtlichen Rundunk.

Die Forderungen der werbungtreibenden Industrie gehen sogar noch weiter. Um die Attraktivität von Radio als Werbemedium zu erhöhen, wollen die Unternehmen künftig auch in allen ARD-Jugendprogrammen werben dürfen. Grund: Derzeit gebe es in den deutschen Sendegebieten keine ausreichende Auswahl an werbetragenden Radioprogrammen, um die Zielgruppe der 14-29-Jährigen optimal zu erreichen. Laut der Umfrage würde die Mehrheit der befragten Mediaplaner Hörfunk häufiger einsetzen, wenn dieses möglich wäre. Und davon würden nach Einschätzung des Markenverbands auch die privaten Sender profitieren. mas
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