Verband der Anzeigenblätter erneuert Vorwürfe gegen die Post

Donnerstag, 11. Dezember 2003

Die Verteilung eines wöchentlichen Pakets aus Werbeprospekten und TV-Programm durch die Deutsche Post ist erneut vom Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) scharf kritisiert worden. Der Verband nahm die Ausweitung auf das Rhein-Main-Gebiet zum Anlass, an die gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) eingereichte Kartellamtsbeschwerde zu erinnern.

Die Post missbrauche eine Monopolstellung zu Lasten privater Verlage, erklärte der BVDA und berief sich auf jüngste Äußerungen des hessischen Wirtschaftsministers Alois Rhiel (CDU). Rhiel hatte kürzlich erklärt, es stehe zu befürchten, "dass die Post ihren Eintritt in den Anzeigenblättermarkt mit Monopolgewinnen quersubventioniert". Dieser Aussage widersprach eine Sprecherin der Post. Die Auslieferung der Prospekte erfolge zu marktüblichen Preisen. Der Vorwurf der Quersubventionierung werde "ganz eindeutig zurückgewiesen". Nach Angaben der Post-Sprecherin wird das Werbe-Paket "Einkauf aktuell" samstags in Hannover, Hamburg, Berlin und seit dem 29. November auch im Raum Frankfurt/Main verteilt. Es handle sich um bis zu 1,3 Millionen Exemplare in Hamburg, 1,6 Millionen in Berlin, 0,6 Millionen in Hannover und 1,4 Millionen in Frankfurt. Als weitere Ballungsgebiete sollen laut Post Stuttgart, Nürnberg und München hinzu kommen.

Während die Post von einem Wettbewerbsmarkt spricht, auf dem sie sich um Anteile bemühe, sieht der BVDA einen Missbrauch des Briefmonopols. Den Anzeigenblättern, deren Beilagengeschäft traditionell sehr stark sei, drohe ein massiver Einbruch in dem mit 520 Millionen Euro wichtigen Geschäftsfeld. Damit sei ein erheblicher Anteil des Jahresumsatzes von 1,65 Milliarden Euro von den Aktivitäten der Post bedroht. Zahlreiche Verlage hätten bereits von dramatischen Umsatzeinbrüchen in Millionenhöhe berichtet. Im BVDA sind 199 Verlage mit rund 750 Anzeigenblättern bei einer wöchentlichen Auflage von 52,5 Millionen Exemplaren organisiert. nr
Meist gelesen
stats