"Vakuum": Konstantin Neven DuMont zettelt Machtkampf an

Montag, 15. November 2010
Hinterlässt verbrannte Erde: Konstantin Neven DuMont
Hinterlässt verbrannte Erde: Konstantin Neven DuMont

Konstantin Neven DuMont gibt auch während seiner Auszeit keine Ruhe. In einem Interview mit dem "Focus" greift der beurlaubte Verlagserbe die Führung des Medienhauses M. DuMont Schauberg (MDS) scharf an und droht gar mit dem Verkauf seiner Anteile. Auch sein Vater, Altverleger Alfred Neven DuMont, kommt nicht ungeschoren davon. "Das Problem bei MDS ist, dass keiner weiß, wer der Chef ist", verrät Konstantin Neven DuMont dem "Focus". Dies habe dazu geführt, dass die Mitarbeiter unterschiedliche Botschaften erhielten und jeder mache, was er will, so DuMont wörtlich, der ganz offen von einem "Machtvakuum" im Unternehmen spricht.

Dass der 41-Jährige verbrannte Erde hinterlässt, zeigen nicht zuletzt die Äußerungen hinsichtlich der Verlagsführung - auch in Bezug auf seinen Vater. Dieser spiele noch eine "entscheidende Rolle", blicke aber "bei der Digitalisierung und den nötigen Veränderungen der Geschäftsmodelle nicht so richtig durch", stellt er den Verlagslenker bloß, um anschließend allen Ernstes darauf hinzuweisen, dass er "in der Öffentlichkeit keinen großen Disput" mit seinem Vater ausfechten wolle. Das sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.

Scheinbar unbeeindruckt davon droht er im "Focus"-Interview damit, seine Anteile am Verlag abzustoßen, sollte er sich nicht mit seinen Vorstellungen durchsetzen: "So, wie das Unternehmen jetzt geführt wird, möchte ich dort langfristig nicht investiert bleiben. Ich würde mein Kapital lieber abziehen und in Geschäftsmodelle investieren, die eine Zukunft haben, auch was die Erlöse angeht." Als Beispiel nennt er die "völlig defizitäre" "Frankfurter Rundschau", die zeige, dass das Geschäftsmodell Tageszeitung in Zukunft so nicht mehr funktioniere. An seiner Entschlossenheit lässt er keinen Zweifel: "Ich bin jung, voller Tatkraft, habe viele Projekte vor", so DuMont. Zudem sei er froh, dass sich sein Bekanntheitsgrad jetzt erhöht habe. "Mit mir ist zu rechnen." Schon nach seinem Urlaub wolle er "wieder angreifen".

Dieser "Urlaub" hatte am 10. November für Verwirrung - und Schlagzeilen - gesorgt. Zunächst war bekannt geworden, dass der Verlagserbe "beurlaubt" wurde - womit die Schlussfolgerung nahe lag, dass er auch aus dem Vorstand ausscheiden würde. Diese Interpretation hatte DuMont wenig später via Twitter zurückgewiesen und lediglich von einem "Urlaub" gesprochen. Auch der einen Tag später veröffentlichten offiziellen Sprachregelung des Verlages, nach der Konstantin Neven DuMont vom Hause M. DuMont Schauberg auf eigenen Wunsch beurlaubt sei und seine Funktionen und Ämter ruhen, widersprach der Verlagserbe wenig später. Nach eigener Darstellung bleibt er Vorstand und Herausgeber. mas
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