VZ-Chef Riedl verkündet schwarze Zahlen

Dienstag, 07. Dezember 2010
VZ-CEO Clemens Riedl will künftig nicht mehr direkt mit Facebook konkurrieren
VZ-CEO Clemens Riedl will künftig nicht mehr direkt mit Facebook konkurrieren

Die VZ-Netzwerke werden in diesem Jahr erstmals schwarze Zahlen schreiben. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" erklärt CEO Clemens Riedl, dass der Umsatz im Jahr 2010 um 60 Prozent auf 30 Millionen Euro gestiegen ist. "Wir sind im zweiten Halbjahr vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen profitabel - bei sehr geringen Abschreibungen. Wir haben damit hoffentlich endgültig die Frage beantwortet, ob man mit Social Communities Geld verdienen kann", sagt Riedl. In Zukunft wolle man nicht mehr direkt mit dem großen Wettbewerber Facebook konkurrieren, betont Riedl. Es gehe jetzt darum "eine profitable Nische im deutschen Markt zu besetzen." In den vergangenen Jahren hat der Konkurrent aus Amerika auch in Deutschland einen enormen Nutzerzuwachs bekommen, während die VZ-Netzwerke kontinuierlich verlieren. Rangierte Facebook im "Social Network Barometer" des Marktforschungsinstituts You Gov Psychonomics 2008 noch auf Platz 7 bei den Nutzerzahlen, ist es heute Marktführer. StudiVZ fällt auf Platz 4 zurück.

Gegenüber dem "Handelsblatt" betont Riedl, sich in Zukunft bewusst von Facebook distanzieren zu wollen. Er wirft der Plattform vor "im Kern gar keine klassische Community" mehr sein zu wollen. Es gehe nur noch um den Konkurrenzkampf mit Google um Nutzerdaten. "Bei uns wird es persönlicher", sagt Riedl.

Die VZ-Netzwerke wollen sich künftig wieder stärker auf ihre ursprüngliche Kernzielgruppe der 12- bis 29-Jährigen konzentrieren. Mittelfristig soll auch die Trennung zwischen StudiVZ und MeinVZ aufgegeben werden. "Schon jetzt ist es eine Plattform mit zwei Eingängen", begründet Riedl den Schritt.
Um in der jungen Zielgruppe wieder zu punkten, will Riedl StudiVZ zu einer Kommunikationsplattform für jungen Menschen umbauen: "Bei uns geht es um intensive Kommunikation für junge Leute in Deutschland. Als ersten Schritt starten wir in Kürze einen kostenlosen, virtuellen Telefondienst ähnlich wie bei Skype über unsere Plattformen. Wir wollen die Telefonnummer für VZ-Nutzer überflüssig machen", kündigt Riedl an.

Bei der weiteren Vermarktung setzten die VZ-Netzwerke auf klassische Bannerwerbung, möchten aber Marken-Profile auch für Nichtmitglieder der Community sichtbar machen. Nach Ansicht von Riedl sei vor allem die recht junge Kernzielgruppe von 12 bis 29 Jahren für Werbekunden attraktiv. Gerade bei den unter 18-Jährigen ist SchülerVZ vor Facebook die beliebteste Online-Community, das ergab die aktuelle JIM-Studie über die Internetnutzung von Jugendlichen. Dem Datenschutz räumt Riedl oberste Priorität ein, auch wenn sich die VZ-Netzwerke in Zukunft Online-Shops oder anderen externen Seiten öffnen wollen. Eine eigene VZ-ID soll diesen gewährleisten. hor
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