VZ-Chef Riedl poltert gegen Facebook und die deutsche Politik

Freitag, 05. März 2010
"Brutaler Verdrängungswettbewerb": VZ-Chef Clemens Riedl
"Brutaler Verdrängungswettbewerb": VZ-Chef Clemens Riedl

VZ-Boss Clemens Riedl will die Echtzeit-Kommunikation in den VZ-Netzwerken (StudiVZ, MeinVZ, SchülerVZ) weiter intensivieren. "Deutschland in Echtzeit" lautet das Projekt, das einen weiteren Schritt in Richtung Realtime-Web darstellen soll und über die bisherige Twitter-Einbindung in die Plauderfunktion "Buschfunk" hinausgehen dürfte. Gleichzeitig polterte Riedl bei einer Diskussionsrunde auf der Computermesse CeBIT gegen Wettbewerber Facebook und die Politik. Während der VZ-Manager in der Runde mit MySpace Deutschland-Chef Joel Berger, Xing-Marketer Jackson Bond, und Claus Fesel, Leiter des Arbeitskreises Social Media bei der Bitkom, mit Blick auf die Neuerung vage blieb, wurde er gegenüber Facebook weitaus deutlicher. Er kritisierte, dass in Sachen Datenschutz mit zweierlei Maß gemessen werde, weil für amerikanische Unternehmen wie Facebook in Deutschland andere Richtlinien gelten. "Das ist eine Benachteiligung der deutschen Netzwerke", so Riedl, die diese auch bei Innovationen ausbremse.

Clemens Riedl: Politiker, die nach mehr Datenschutz rufen, aber selbst auf Facebook aktiv sind, sind zynisch.“
Obendrein würden Nutzer mit Einladungen von angeblichen Facebook-Mitgliedern zum Netzwerk gelockt, obwohl diese gar keinen Account bei Facebook hätten. Nach deutschem Datenschutz sei das nicht möglich. Prompt bekam denn auch die Politik ihr Fett weg: "Politiker, die nach mehr Datenschutz rufen, aber selbst auf Facebook aktiv sind, sind zynisch." Facebook sei vielmehr ein "knallharter Konzern", der sich aus Datenschutz wenig mache, so Riedl, der die Führungsrolle bei den VZ-Netzwerken vor knapp einem Monat von Markus Berger-de León übernommen hatte.

Die Attacke kommt nicht unerwartet. Schon in der Vergangenheit hat das Berliner Netzwerk immer wieder die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in Sachen Datenschutz bemängelt. Gelegen kommt da auch ein aktueller Test von "Computer-Bild" zur Privatsphäre in sozialen Netzwerken. Dabei landete SchülerVZ auf Platz 1 mit der Gesamtnote "gut" vor Wer-kennt-wen, Lokalisten und Xing (alle drei befriedigend) sowie weit vor Facebook, das mit der Note 5 (mangelhaft) auf dem letzten Platz landet.

Zugleich machte der einstige Sales-Chef der VZ-Gruppe deutlich, dass unter den Netzwerken "ein brutaler Verdrängungswettbewerb herrscht", in dem, so Riedl, die Holtzbrinck-Tochter inzwischen soviel Geld verdiene, wie es manche Leute wohl nicht glauben würden. Zahlen nannte er nicht. In der Vergangenheit war von unterschiedlichen Seiten ein wirtschaftlicher Erfolg immer wieder bezweifelt worden. ork
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