VDZ warnt vor übermächtigen Technologieplattformen im Netz

Freitag, 05. März 2010
Das iPad wurde euphorisch begrüßt. Nun dämmern den Verlage auch die Gefahren.
Das iPad wurde euphorisch begrüßt. Nun dämmern den Verlage auch die Gefahren.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) warnt vor dem steigenden Einfluss von Technologieunternehmen auf die Verbreitung von Inhalten im Internet. "Wir müssen der Gefahr begegnen, dass als Technologieplattform global tätige Firmen ihre Macht ausspielen! Wir müssen das Prinzip der technologieneutralen Pressefreiheit im Internet sichern!" betont der VDZ in einer Grundsatzerklärung. Durch die Digitalisierung und die neuen Mediennutzungsgewohnheiten kämen auf die Verlage "neue Herausforderungen" zu. Dies gelte inbesondere dann, "wenn sich weltweit tätige Firmen wie zum Beispiel Apple nicht mehr nur als Technologieplattform verstehen, sondern darüber hinaus in Inhalte eingreifen und damit zunehmend als Medienhäuser verstehen". Auf diese Weise würden die Verlage zu bloßen Inhaltelieferanten ohne eigene Endkundenbeziehungen reduziert, so die Befürchtung des Verlegerverbands.

Würden Technologieunternehmen im Internet als Gatekeeper auftreten, wäre zudem die Pressefreiheit in Gefahr: "Darin liegt eine große Gefahr, weil die Rolle der Verlage und der Redaktionen als Träger und Garanten der Pressefreiheit in Frage gestellt wird." Diese Garantenpflicht dürfe "unter keinen Umständen auf global tätige Technologieplattformen übergehen. Wenn es Dritten erlaubt wäre, auf diese Inhalte Einfluss zu nehmen, wäre die Pressefreiheit obsolet, warnt der VDZ. Der Verband plädiert daher für eine neutrale Vertriebsplattform, wie sie jüngst von den Bertelsmann-Töchtern Direct Group und DPV vorgestellt wurde. 

Hinter den Sorgen um die Pressefreiheit im Netz stecken natürlich auch knallharte geschäftliche Interessen. Während im klassischen Geschäft die Umsätze zurückgehen, tun sich die meisten Verlage im Internet noch schwer. Apple bietet mit seinem Online-Shop iTunes eine starke Vertriebsplattform, über die neben Musik künftig auch vermehrt andere Inhalte wie Videos oder elektronische Zeitschriften verkauft werden sollen. Mit dem Tablet-Computer iPad hat Apple kürzlich ein geeignetes Endgerät vorgestellt, das von vielen Verlagen zunächst euphorisch begrüßt wurde. 

Durch die Löschung von Tausenden Apps mit erotischen Inhalten im App-Store von iTunes hatte Apple allerdings auch den weitreichenden Einfluss seiner Vertriebsplattform demonstriert und den Unmut der Verlage auf sich gezogen. "Wir können und werden als Verlage unsere Seele nicht verkaufen, nur um ein paar Kröten von Apple zu bekommen", sagte Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Zeitschriftenverbandes VDZ. Der Verband will mit Apple daher über klare Regeln für Apps sprechen. dh
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