VDZ-Zeitschriftentage: Print muss seine Stärken herausarbeiten

Donnerstag, 15. November 2007
Gibt sich kämpferisch: Verleger Hubert Burda
Gibt sich kämpferisch: Verleger Hubert Burda

Die deutschen Zeitschriftenverleger zeigen sich bei ihrem jährlichen Treffen selbstbewusst hinsichtlich der Perspektiven gedruckter Medien. Bei den jährlich in Berlin stattfindenden Zeitschriftentagen diskutieren am 15. und 16. November 800 Entscheider aus deutschen Verlagen über die Zukunft von Print in der digitalen Welt. Dabei machte Hubert Burda in seiner Funktion als Präsident des veranstaltenden Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) bereits in seiner Keynote deutlich, dass sich die Verleger angesichts zunehmender Konkurrenz in unruhigen Zeiten befinden, aber fest entschlossen sind, ihr in den letzten Jahren im Internet erschlossenes neues Terrain zu verteidigen.

Rechtfertigt Ansprüche der öffentlich-rechtlichen Sender: ZDF-Intendant Markus Schächter
Rechtfertigt Ansprüche der öffentlich-rechtlichen Sender: ZDF-Intendant Markus Schächter
Auch und insbesondere gegen die jüngst von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wieder stärker artikulierten Ambitionen, ihren Auftrag ins Internet zu verlängern. ZDF-Intendant Markus Schächter versuchte zwar in seiner Keynote, die Ansprüche seines Hauses zu rechtfertigen und zu relativieren. Sein Angebot zur Kooperation durch Bereitstellung von Bildmaterial trifft bei den Verlegern indes auf gemischte Resonanz, nicht nur wegen ungeklärter urheberrechtlicher Fragen.

Dass Print sich den Zukunftsfragen durchaus selbstbewusst stellen kann, machte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, in ihrem Vortrag deutlich. Die vielfach formulierte These eines zwangsläufig schleichenden Niedergangs der Gattung Print hält sie bei differenzierter Betrachtung für nicht stichhaltig. Zwar gewinne das Internet bei der täglichen Mediennutzung an Bedeutung, vielfach handele es sich dabei jedoch um keine medienspezifischen Anwendungen. „Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger müssen sich auf ihre spezifischen Begabungen konzentrieren", fordert Köcher. Print könne zwar bei gezielten aktuellen Nutzungsmotiven nicht mit dem Internet mithalten, dafür jedoch mit der „Scoutfunktion" seine Stärken ausspielen.

Fordert mehr Mut zur Marke: "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo
Fordert mehr Mut zur Marke: "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo
In der anschließenden Diskussion kritisierte „Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo den derzeit auch von Verlegern hervorgerufenen Eindruck, Print sei nur mehr ein Übergangsmedium. „Wir brauchen weniger Defätismus, sondern mehr Mut zur Marke", so Lorenzo. Schließlich mache Print noch 90 Prozent der „Zeit"-Umsätze aus. Auch Gruner+Jahr-Vorstand Bernd Buchholz erwartet für sein Medienhaus im Jahr 2015 noch einen Printanteil von 80 Prozent.

Anders sieht die Situation bei Special-Interest-Verlagen wie etwa IDG Magazine Media, München, aus. „Online bringt heute bereits 18 Prozent unserer deutschen Umsätze, in den USA sind es bereits 50 Prozent", sagt Geschäftsführer York von Heimburg. Sein Verlag müsse seinen IT-affinen Nutzern ins Internet folgen, sonst habe er keine Überlebenschance. Die Frage einer bloßen Verlängerung der Printprodukte ins Netz stelle sich nicht. „Teilweise verdienen wir unser Geld bereits mit Onlineangeboten, und die Printtitel dienen dazu, Aufmerksamkeit für die publizistische Marke zu erzeugen."
Allensbach-Forscherin Köcher vermisst allerdings bei vielen Verlagen wegen der zu starken Fokussierung auf die Entwicklung des Onlinegeschäfts das entsprechende Engagement für Print. „In gedruckten Medien stecken auch in Zukunft viele Möglichkeiten, wenn diese es schaffen, mit ensprechenden Investitionen ihre spezifischen Stärken weiterzuentwickeln", so ihre Einschätzung.

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