VDZ-Verlage rechnen nur mit geringem Anzeigenminus

Montag, 15. April 2013
Für VDZ-Chef Stephan Scherzer sind Verlage "transmediale Publisher"
Für VDZ-Chef Stephan Scherzer sind Verlage "transmediale Publisher"


Überraschendes Bild in der aktuellen Trendumfrage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Demnach erwartet die Branche in diesem Jahr ein Umsatzminus von 1,8 Prozent bei den Anzeigen- und minus 0,6 Prozent bei den Vertriebserlösen. Die Prognose ist überraschend optimistisch - ist hinter vorgehaltener Hand derzeit doch bei vielen Verlagen von erneut hoch einstelligen Rückgängen im klassischen Geschäft die Rede. Grund dafür ist, laut VDZ, dass in die Umfrage auch die Erwartungen der Fachverlage einfließen. Und diese seien in diesem Jahr vielerorts positiv gestimmt und rechneten für 2013 nicht mit Verlusten. Angesichts des schwierigen Kerngeschäfts konzentrieren sich die Verlage auf den Auf- und Ausbau neuer Geschäftsfelder. Diversifikation ist laut der Umfrage für 88 Prozent ein wichtiger Baustein ihrer Unternehmensstrategie. Mehr als die Hälfte der Verlage wollen in diesem Jahr die Investitionen in Diversifikationsprodukte steigern.

Insgesamt wird Print laut der Prognose in diesem Jahr 68 Prozent zum Umsatz beisteuern und damit weiterhin den größten Teil. Aus dem Digital- und sonstigem Geschäft kommt das übrige Drittel. "Die Umfrage zeigt, wie sehr sich die Verlagshäuser zu transmedialen Publishern mit Inhalts- und Plattformkompetenz entwickeln", lobte VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer im Rahmen der heutigen Jahrespressekonferenz. Zum Anteil den die neuen Geschäftsfelder zum Ergebnis beisteuern sollen, macht der Verband jedoch keine Angaben.

Trotz insgesamt rückläufiger Auflagen, werden viele Titel gegründet. In den ersten drei Monaten des Jahres zählte der Verband 1542 Publikums- und Fachzeitschriften - ein historischer Höchststand. Viele Verlage versuchen mit Publikationen, die sich an spitzere Zielgruppen richten, die Auflagenerosion etablierter Titel aufzuhalten.

Bei der Aboauflage haben die Verlage gute Nachrichten zu vermelden: Sie ist leicht auf 49,4 Millionen Abonnements gestiegen. Insgesamt wurden 2012 pro Quartal rund 110 Millinen Zeitschriften verkauft.

Mit einer Neuauflage der "Print wirkt"-Kampagne will der VDZ die Zeitschriften besser im Anzeigenmarkt positionieren. Die genutzten Aussagen basieren auf den Werbewirkungserkenntnissen des Ad Impact Monitors (AIM). Damit will der Verband zeigen, wie Marken und Untenrehmen vom optimierten Printeinsatz profitieren können.

Die politische Agenda des Verbandes ist unverändert: Der VDZ sorgt sich um die Folgen der EU-Datenschutz-Novelle. Scherzer sieht erhebliche Risiken in dem Regelwerk, um das EU-Kommission, EU-Parlament und EU-Ministerrat seit Monaten ringen. Auch in Google sehen die Verleger eine Bedrohung. Die Suchmaschine diskriminiere konkurrierende Angebote. "Es muss Chancen-Gleichheit hergestellt werden", fordert Scherzer von der EU-Kommission. pap
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