VDZ: Seikel prognostiziert Anzeigenplus in 2006

Donnerstag, 17. November 2005

Die Publikumszeitschriften müssen sich auf die veränderten Mediennutzungsgewohnheiten der Jüngeren einstellen. Schon heute gehen 67 Prozent der 14- bis 19-Jährigen zuerst ins Internet, wenn sie sich über ein Thema näher informieren wollen. Es folgen TV und Zeitungen. Zeitschriften werden von dieser Altersgruppe nur zu 39 in Anspruch genommen. "Wenn diese Kohorten älter werden, hat es dramatische Auswirkungen für Zeitschriften und auch Zeitungen", warnt Karl Dietrich Seikel, "Spiegel"-Verlag-Geschäftsführer und Vorsitzender des Vorstandes der Publikumszeitschriften im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), heute in Berlin. Parallel zur steigenden Bedeutung des Internets steigen die Online-Werbeeinnahmen seit dem Jahr 2000 jährlich um rund ein Fünftel. Von den Netto-Umsätzen der klassischen Online-Werbung können sich die Printtitel mit 17 Prozent eine Scheibe vom rund 274 Millionen Euro schweren Gesamtkuchen abschneiden. Der Großteil von rund 200 Millionen Euro entfällt jedoch auf reine Internetportale.

Das Anzeigengeschäft der Publikumszeitschriften entwickelt sich weiter schleppend. "Die negative Entwicklung hält seit fünf Jahren an", klagt Seikel. Während alle klassischen Medien von Januar bis September bei den Bruttowerbeumsätzen leicht zulegen konnten, liegen die Publikumszeitschriften mit rund 2,7 Milliarden Euro leicht unter Vorjahresniveau. Im 3. Quartal habe es jedoch einen "gewissen Anstieg" gegeben. "Wir gehen davon aus, dass der Trend anhält", so Seikel.

Für das kommende Jahr prognostiziert er ein Plus zwischen 2 und 4 Prozent. Dabei soll auch die gestiegene Preislistentreue der Verlage helfen, die Seikel auf den von den Werbungtreibenden initiierten "Code of Conduct" zurückführt.

Bei den Vertriebserlösen sieht Seikel außerdem noch Spielraum für Copypreiserhöhungen. Er ist außerdem optimistisch, dass der Vertrieb über Discounter wie Penny und Lidl ausgebaut werden kann. "Die ersten Ergebnisse der Tests sind durchaus positiv", sagt Seikel. "Wenn die Discounter merken, dass man mit Presseartikeln Geld verdienen kann, wird die Presse dort Einzug halten." pap



Meist gelesen
stats