VDZ Digital Innovators Summit: Magazine müssen sich neu erfinden

Montag, 14. März 2011
Juan Senor auf dem Digital Innovators Summit (Foto: Ole Bader)
Juan Senor auf dem Digital Innovators Summit (Foto: Ole Bader)

Gibt es ein zweites Leben, eine zweite Chance für Magazine? Ja, aber nur dann, wenn sie bereit sind, Content, Workflow und Geschäftsmodell neu zu erfinden, behaupten Juan Senor und John Wilpers auf dem internationalen Treffen des Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin. Es gehört mittlerweile zur guten Tradition für internationale Verleger und Magazinmacher, Anfang des Jahres Station im Konferenzcenter der Deutschen Telekom in Berlin zu machen – Bühne für den vierten Digital Innovators Summit des VDZ. Alexander von Reibnitz, beim VDZ verantwortlich für Printwerbung und Digital Media, hatte schon am Morgen die Marschrichtung des zweitägigen Events vorgegeben: „Angesichts der Dominanz von Google, Facebook und Apple müssen Verlage stärker kooperieren, noch stärker um die Aufmerksamkeit ihrer Kunden kämpfen.“ Wie dieser Kampf in der Praxis aussieht, davon konnten sich die rund Teilnehmer schon am 1. Tag ein Bild machen.

Im Zentrum der Vorträge: die durch Apples iPad ausgelöste Medienrevolution und das mobile Business. Dass das iPad das gesamte Business verändern wird, darüber sind sich Juan Senor und John Wilpers von der Innovation Media Consulting Group sicher. Senor: „Das ist die größte Umwälzung seit Gutenberg, das iPad ist ein Medium, bei dem der Content gelesen, angeschaut und berührt werden kann.“ Für Medienhäuser eine große Chance, wenn sie einige, zentrale Grundvoraussetzungen beherzigen:

1. Die Verleger müssen sich und ihre Produkte neu erfinden. Medienberater Senor: „Man kann nicht erwarten, positive Ergebnisse im digitalen Business vorzulegen, wenn man weiterhin genauso agiert wie in der Vergangenheit.“

2. iPad bedeutet iPay. Und Print entwickelt sich zum Premiumprodukt.

3. Apples Erfindungsgeist verdient Respekt. Aber: Das Unternehmen möchte sich mit iTunes als größten weltweiten Kiosk etablieren. Senor: „Das dürfen wir nicht zulassen. Was bleibt den Verlagen, wenn sie die Kontrolle über das Pricing und die Kundendaten aus der Hand geben?“

4. Integration der unterschiedlichen Plattformen und Arbeitsprozesse ist entscheidend.

Der erste Tag des Digital Innovator Summit macht weiterhin deutlich: Auch der mobile Bereich ist für Verleger nach wie vor von höchster Relevanz, selbst wenn derzeit erfolgsversprechende Businessmodelle noch nicht existieren. Francis Morel, ehemaliger CEO der französischen „Figaro“-Gruppe bringt das Dilemma auf den Punkt: „Ich bin mir sicher, dass Mobile unser komplettes Geschäft verändern wird. Aber derzeit gibt es noch kein Business, weil die Anzeigen fehlen.“ Davon, so der Franzose optimistisch, sollten sich die Verleger nicht kirre machen lassen, denn : „Man kann die Zukunft nicht vorhersagen, aber man kann sie mitgestalten. Und das sollten wir tun.“ vs
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