VDZ-Chef Fürstner fordert Privatisierung von ARD und ZDF / Voting auf HORIZONT.NET

Montag, 04. Januar 2010
Fürstner fürchtet um Erlösmodelle bei Apps
Fürstner fürchtet um Erlösmodelle bei Apps

Der Streit zwischen Verlagen und werbefinanzierten Sendern auf der einen Seite und den öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF auf der anderen spitzt sich weiter zu. Mit selten klaren Worten fordert nun Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), das duale System abzuschaffen. "Warum denken wir nicht über eine Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach, etwa mit einer Beteiligung von Verlagen", sagt Fürstner in einem Interview mit der "Welt". "Das könnte eine zukunftsfähige Lösung sein, statt permanent über Grenzüberschreitungen von ARD und ZDF zu streiten, die die Verlage ihrer Zukunftschancen berauben", so Fürstner weiter.

Der Streit zwischen werbefinanzierten Medien auf der einen und gebührenfinanzierten auf der anderen Seite hatte sich kurz vor Weihnachten erneut entzündet. Nachdem Axel Springer Mitte Dezember seine kostenpflichtigen Handyappliaktionen für "Bild" und "Welt"  vorgestellt hatte, kündigte Kai Gniffke, erster Chefredakteur von ARD Aktuell an, in den nächsten Monaten eine kostenlose App für die "Tagesschau" zu lancieren. Nicht nur Springers Erlösmodelle würden von dem Schritt massiv beeinflusst. Die Verlegerverbände hatten sich daher geschlossen gegen den Vorstoss ausgesprochen.

Für die Verlage ist die Finanzierbarkeit der Apps essentiell - versuchen sie derzeit doch die Fehler im Internet nicht nochmals zu wiederholen und sich in der mobilen Welt Nachrichten und andere Informationen von den Nutzern bezahlen zu lassen. Wettbewerber wie ARD und ZDF erschweren dieses Unterfangen massiv, wenn sie hochwertigen Content kostenlos zugänglich machen.

ARD und ZDF berufen sich im Gegenzug auf ihren per Gesetz nur schwammig definierten "Grundversorgungsauftrag". "Was heißt das aber heute eigentlich? Keinesfalls, dass die ARD in jeden Markt drängt, den die Presse als Überlebensstrategie für sich benötigt. Dieses Verhalten würde das öffentlich-rechtliche System zu einer existenziellen Bedrohung für die privatwirtschaftliche Presse machen", warnt Fürstner.

Große Chancen, dass es zu einer ernsthaften Debatte um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Systems kommt, macht Fürstner sich jedoch nicht: "Ich glaube, dass die Politik viel zu sehr mit dem öffentlichen System verbandelt ist." pap
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